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Gnostizismus. Oder: Nichts Neues unter der Sonne

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"Sie reden zwar Ähnliches wie die Gläubigen, verstehen aber darunter nicht nur anderes, sondern sogar das Gegenteil."

Mit dieser Charakteristik der in christlichen Gemeinden etablierten Gnostiker diagnostizierte Irenäus von Lyon (haer. 3,17,4) Ende des 2. Jh. eine der gefährlichsten Herausforderungen, mit denen sich die Kirche der patristischen Epoche[1]  konfrontiert sah.

Jene Gnostiker verstanden sich als geistige Elite der Christenheit, die überkommenen Glaubensformulierungen wurden keineswegs negiert, sondern oft nur anders interpretiert. Die Aussagen des christlichen Bekenntnisses, von den gewöhnlichen Kirchenchristen ... wörtlich genommen, waren für jene Intellektuellen Bilder und Symbole höherer Wirklichkeiten. Nur rein geistig verstanden seid die Bibel richtig interpretiert. Die Menschwerdung des Logos[2], der Tod am Kreuz, die Auferstehung des Leibes, die Martyriumsbereitschaft vor der Welt - all dies und vieles anderes dürfe keinesfalls materiell realistisch aufgefaßt, sondern ausschließlich spirituell-symbolisch gedeutet werden.

Die allmähliche Umformung des Glaubens in ein schillerndes Gefüge von Bildern, die zunehmende Auflösung der biblisch bezeugten Ereignisse in bloße Mythen und Metaphern stürzten die Kirche in ihre bislang schwerste Krise. Eine Besinnung auf bleibende Fundamente und maßgebliche Orientierungspunkte des Glaubens wurde nötig, sollte das Christentum nicht unmerklich seine Identität verlieren. Es ging um die Sicherung des einmal ergangenen Offenbarungswortes gegenüber dessen willkürlicher Auflösung in der Gnosis[3]. Die Frage der Kontinuität wurde für die Kirche zur Frage ihrer Identität."

Michael Fiedrowicz: "Theologie der Kirchenväter. Grundlagen frühchristlicher Glaubensreflexion"
Herder, Freiburg (Apr 2007), ISBN 3451292939

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Kommentar

Wie es scheint, haben sich die Dinge bis in unsere Tage nicht geändert. Auch heute gibt es solche, die sich selbst "als geistige Elite der Christenheit" verstehen und in den biblisch bezeugten Ereignissen bloße Mythen und Metaphern sehen , die zu "entmythologisieren" sind. Auch sie negieren die überkommenen Glaubensformulierungen keineswegs, sondern interpretieren sie nur anders.
Auch heute wird "die Frage der Kontinuität ... für die Kirche zur Frage ihrer Identität."

In der patristischen Epoche konnte die Kirche diese Krise dadurch überwinden, daß sie an ihrer Apostolizität festhielt. Dies geschah dadurch, daß sie festhielt

  1. am Kanon der apostolischen Schrift, welche

  2. vom in apostolischer Nachfolge stehenden Amt 

  3. gemäß der apostolischen Glaubensregel ausgelegt wird.

Apostolische Schrift, apostolische Tradition und apostolisches Amt in ihrem gegenseitigen Aufeinander-Bezogen-Sein sind auch heute das Heilmittel in der gegenwärtigen Krise der Kirche.

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Die folgenden Anmerkungen stammen nicht vom Autor des Buches "Theologie der Kirchenväter", sondern vom Webmaster dieser Internetseiten.

[1] patristische Epoche = Epoche der Kirchenväter

[2] Menschwerdung des Logos = Menschwerdung des Wortes (das Wort = grie.: ho lógos)
Nach Joh 1,14: "Und das Wort wurde Fleisch." (Im griechischen Urtext des NT: Kaì ho lógos sàrx egéneto.)

[3] Gnosis = grie.: Erkenntnis.
Bestimmte Kreise in der Antike waren der Überzeugung, im Besitz einer "Erkenntnis" zu sein, die umfassender und tiefgehender sei als die Lehre der Apostel und die "Gnostiker" über die Masse der "nur" Glaubenden weit hinausheben würde.
Diese "Gnosis" wurde schon von den Aposteln bekämpft, z. Bsp. in 1 Tim 6,20f.:

O Timotheus! Bewahre, was dir anvertraut ist, und meide das ungeistliche lose Geschwätz und das Gezänk der fälschlich so genannten Erkenntnis (pseudonymos gnosis), zu der sich einige bekannt haben und sind vom Glauben abgeirrt. Die Gnade sei mit euch!

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