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"Guter" Wein und "schlechter" Wein in der Bibel?

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Gelegentlich wird  von solchen, die (gewiß aus guten Gründen) Alkohol ablehnen die These vorgetragen, daß das Wort "Wein" in der Bibel angeblich zwei Bedeutungen habe, nämlich

  1. "guter Wein, nämlich Traubensaft (ohne Alkohol) und

  2. Traubenwein (mit Alkohol). 

Was davon wann jeweils gemeint sei, ergebe sich angeblich aus dem Zusammenhang, in dem das Getränk erwähnt wird.

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Wie beweist man das aus der Bibel?

Durch einen Zirkelschluß! Man versucht, diese These dadurch zu beweisen, daß man das zu Beweisende in der Kette der Schlußfolgerung voraussetzt:
 

  1. Es wird von vornherein vorausgesetzt, daß Alkohol in der Bibel grundsätzlich negativ bewertet wird. Das wird

  2. bewiesen mit Bibelstellen, in denen Wein negativ beurteilt wird. Diese Stellen reden dann von alkoholhaltigem Wein.

Weil man nun von vornherein davon ausgeht, daß Alkohol in der Bibel grundsätzlich negativ bewertet wird schlußfolgert man,

  1. daß immer dort, wo „Wein“ in der Bibel positiv oder neutral erwähnt wird, es sich nur um alkoholfreien "Traubensaft" handeln könne. Voilà tout! Schließlich

  2. "erkennt" man nun noch deutlicher, daß die Bibel Alkohol grundsätzlich ablehnt, weil ja überall dort, wo Wein positiv erwähnt wird, immer von unvergorenem "Traubensaft" die Rede sei.

Nebenbei bemerkt: Daß Most in der Bibel stets positiv erwähnt wird, stimmt übrigens nicht:

Hurerei, Wein und Most nehmen den Verstand weg.
Hos 4,11 (Rev. Elberfelder)

Solche "Auslegung", die das Auszulegende vorher in die Schrift hineinlegen, nennt Luther "Enthusiasmus" bzw. "Schwarmgeisterei". Er schrieb in den Schmalkaldischen Artikeln:

Es ist fest dabei zu bleiben, daß Gott seinen Geist oder Gnade niemandem gibt als durch oder mit dem äußeren Wort, das vorangeht. Damit verwahren wir uns gegen die Enthusiasten (Schwärmer), d. h. gegen die Geister, die sich rühmen ohne und vor dem Wort den Geist zu haben, und die darnach die Schrift ... nach ihrem eigenen Belieben beurteilen, deuteln und dehnen.

„Schwärmer“ sind die, die "es" vorher (!) wissen und im Anschluß daran (!) die hl. Schrift so hinbiegen, daß sie ihrem ‚Vor-Urteil‘ Recht gibt.

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Welche Argumente kann man nun dagegen anführen, daß Taubenwein in der Hl. Schrift grundsätzlich negativ gewertet wird?

Vielleicht genügt es, auf Jesu Beispiel selbst hinzuweisen: Jesus verwandelte auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein und offenbarte so seine Herrlichkeit (Joh 2,11). Daß es sich da tatsächlich um "alkoholhaltigem Wein" handelte, zeigt der Vorwurf des Speisemeisters an den Bräutigam, nachdem er von Jesu Wein gekostet hatte:

Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, dann den geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.

Hier wird nun entgegnet, daß es problematisch sei, die Textstelle: "und wenn sie trunken geworden sind" als von Alkohol verursachte Berunkenheit auslegen. Das von Luther mit "betrunken" übersetzte Wort solle angeblich nur soviel wie "satt getrunken" bedeuten und habe angeblich mit Betrunkenheit überhaupt nichts zu tun.

Dazu ist zu sagen, daß das von Luther mit "trunken" wiedergegebene Wort methýskesthai in der Antike niemals in der Bedeutung von "genug getrunken" verwendet wird, sondern stets und immer von einem Trinken, dem ein Rauschzustand folgt!

Daß methýskesthai nicht einfach nur als als "sich satt trinken" verstanden werden darf, zeigen auch jene Stellen des NT, in denen es neben Joh 2,10 noch vorkommt: Lk 12,45; Eph 5,18; 1 Thess 5,7; Offb 17,2.

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Auch Besitz oder Sexualität werde in der hl. Schrift sowohl positiv als auch negativ beschreiben. Dennoch käme man kaum auf die Idee, hier etwa an zwei grundsätzlich verschiedene "Arten" von Besitz oder Sexualität zu denken. (Aus Gründen der Schicklichkeit bleiben Beispiele hier unerwähnt ...)

Sündig ist da nicht etwas, was außerhalb des Menschen liegt: Besitz oder Sexualität oder Wein. Zu Sünde geneigt ist der Mensch selbst:

Merkt ihr nicht, daß alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen kann?
Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch, und kommt heraus in die Grube. Damit erklärte er alle Speisen für rein.
Und er sprach: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein;
denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,
Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Mißgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft.
Alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und machen den Menschen unrein.
Mk 7,18-23

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Daß die Hl. Schrift Alkohol nicht (!) grundsätzlich negativ bewertet, ist natürlich kein Freibrief für Unmäßigkeit.
Wer meint, "mäßiger" Weingenuß schade nicht, sei gewarnt: Jeder Alkohohliker hat einmal als "mäßiger Trinker" angefangen. Selbst-Sicherheit ist hier wie überall gefährlich! Je weniger Alkohol man zu sich nimmt, desto besser ist es!

Matthias Niche


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