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Die Materie ist Gottes

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Die beiden wesentlichen Kennzeichen des biblischen Gottes sind Schöpfung und Offenbarung. Und beides gehört untrennbar zusammen. Offenbarung kann heilend und rettend nur sein, weil alles Gottes ist, von ihm als dem Schöpfer kommt.

Heute gibt es bei aller Lobpreisung der Materie einen subtilen neuen Gnostizismus, der Gott die Materie wegnimmt. Gott wird letztlich auf die Innerlichkeit unserer Subjektivität reduziert. Die Religion gehört gerade nach der Vorstellung des Großteils der modernen Wissenschaft in den Bereich der Subjektivität: Da kann jeder empfinden und fühlen, was er mag. Aber die Welt der Materie – die objektive Welt, die gehorcht anderen Gesetzen, da hat Gott nichts zu suchen. Ein solcher Gott ist jedoch kein Gott, sondern nur noch ein Element der Psychologie und der Vertröstung.

Deshalb ist die Empfängnis Jesu aus der Jungfrau so wichtig: Gottes Geist kann Neues schaffen, in der leibhaftigen Welt, in die Welt des Leibes eingreifen. Und deswegen ist es so wichtig, dass Auferstehung nicht zu einem Interpretament verflüchtigt wird, während man den Leib Jesu im Grab verwesen lässt. Nein, die Materie ist Gottes; das ist gerade deswegen so zentral, weil unser subtiler Gnostizismus dies nicht mehr vertragen kann.

Als Harnack in der Berliner Fakultät versöhnlich zu seinem orthodoxen Gegenpartner Adolf Schlatter hin bemerkte, sie beide seien eigentlich ganz einig, es trenne sie nur eine Kleinigkeit, nämlich die Wunderfrage, rief Schlatter energisch dagegen: Nein, uns trennt die Gottesfrage, denn in der Wunderfrage geht es in der Tat darum, ob Gott Gott ist oder ob er nur dem Bereich der Subjektivität zugehört.

Joseph Kardinal Ratzinger, jetzt: Papst Benedikt XVI.
Quelle: Die Tagespost