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Martin Luther: Wider die himmlischen Propheten, von den Bildern und Sakrament (1525):

Wenn nun Gott sein heiliges Evangelium ausgehen lassen hat, handelt er an uns auf zweierlei Weise: einmal äußerlich, das andere Mal innerlich. Äußerlich handelt er an uns durchs mündliche Wort des Evangeliums und durch leibliche Zeichen, als da ist Taufe und Sakrament. Innerlich handelt er an uns durch den heiligen Geist und Glauben samt andern Gaben; aber das alles dermaßen und in der Ordnung, daß die äußerlichen Stücke vorangehen sollen und müssen und die innerlichen hernach und durch die äußerlichen kommen, so daß ers beschlossen hat, keinem Menschen die innerlichen Stücke außer durch die äußerlichen Stücke zu geben. Denn er will niemand den Geist noch Glauben geben ohne das äußerliche Wort und Zeichen, das er dazu eingesetzt hat, wie er Luk. 16 spricht: „Laß sie Mose und die Propheten hören.“ Daher kann auch Paulus die Taufe ein Bad der neuen Geburt nennen, darinnen Gott den heiligen Geist reichlich ausgießt und das mündliche Evangelium eine göttliche Kraft, die da selig mache alle, die dran glauben, Röm.

    Auf diese Ordnung habe acht, mein Bruder, daran wirds ganz und gar liegen. Denn obwohl sich dieser Rottengeist stellet, als hielte er viel von Gottes Wort und Geist und rühmet treffliche Brunst der Liebe und des Eifers zur Wahrheit und Gerechtigkeit Gottes, so ist das doch seine Absicht, daß er diese Ordnung umkehre und eine widersinnige aus eigenem Mutwillen aufrichte. Er betreibt die Sache folgendermaßen: Erstens, was Gott äußerlich dem innerlichen Geist zuordnet, wie gesagt ist, ach, wie höhnisch und spöttisch schlägt er das in den Wind und will vorher hinein in den Geist. „Ja“, spricht er, „sollte mich eine Handvoll Wassers von Sünden reinmachen? Der Geist, der Geist, der Geist muß es inwendig tun.“ „Sollte mir Brot und Wein helfen? Sollte das Hauchen über das Brot Christus ins Sakrament bringen? Nein, nein, man muß Christi Fleisch geistlich essen: die Wittenberger wissen nichts drum, sie stehlen den Glauben aus den Buchstaben“ und der prächtigen Worte viel, daß, wer den Teufel nicht kennet, wohl meinen möchte, sie hätten fünf heilige Geiste bei sich.

    Wenn man sie aber fragt: wie kommt man denn zu demselbigen hohen Geist hinein? So weisen sie dich nicht aufs äußerliche Evangelium sondern ins Schlaraffenland und sagen: „Stehe in der 'Langeweile'[1], wie ich gestanden bin, so wirst du es auch erfahren; da wird die himmlische Stimme kommen, und Gott selbst mit dir reden.“ Fragst du weiter nach der „Langeweile“, so wissen sie ebensoviel davon wie Doktor Karlstadt von der griechischen und hebräischen Sprache. Siehest du da den Teufel, den Feind göttlicher Ordnung? Wie er dir mit den Worten „Geist, Geist, Geist“ das Maul aufsperret, und doch dieweil beides, Brücken, Steg und Weg, Leiter und alles umreißt, dadurch der Geist zu dir kommen soll, nämlich die äußerliche Ordnung Gottes in der leiblichen Taufe Zeichen und dem mündlichen Wort Gottes, und will dich lehren, nicht wie der Geist zu dir, sondern wie du zum Geist kommen sollst, daß du lernen sollst auf den Wolken fahren und auf dem Winde reiten; und sagen doch nicht, wie oder wann, wo oder was, sondern du sollst es selbst erfahren wie sie (auch).

    Umgekehrt: was Gott nicht äußerlich ordnet, da lottern sie heraus, als wären sie unsinnig. Und gleichwie sie einen eigenen innerlichen Geist erdichten, so richten sie auch eine eigene äußerliche Ordnung an, die Gott weder geboten noch verboten hat, wie z.B. daß man keine Bilder, Kirchen, Altäre haben soll, (den Gottesdienst) nicht Messe nennen, (das Abendmahl) nicht Sakrament nennen oder es (beim Gottesdienst) emporheben, nicht ein geistliches Kleid haben, sondern graue Röcke tragen, sich „lieber Nachbar“ nennen, gottlose Fürsten totschlagen, kein Unrecht leiden und viel der äußerlichen Demut und Gebärden treiben, die sie selbst erdichten, und die Gott nicht achtet. Wer hier anders tut als sie, der ist ein zweifältiger Papist, der henket und mordet Christus und muß ein Schriftgelehrter sein. Wer es aber tut, der ist schon in den Geist mit Stiefeln und mit allem hineingesprungen und ist ein Geistgelehrter. O treffliche Heilige! Fragst du sie, wer ihnen solches befiehlt, so werfen sie die Hand empor: „Ah, mein Gott sagt mirs, der Geist verlangts auch“; ja alle ihre Träume sind eitel Gottes Wort. Wie dünkt dich um die(se) Gesellen? Begreifest du ungefähr, wer dieser Geist sei?

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[1] Langeweile: Weg der mystischen Versenkung in sich selbst, bei welchem man versucht, sich innerlich vollkommen "leer" zu machen, damit Gott einströmen kann.

 

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