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Predigt über das Augsburgische Bekenntnis: Artikel IX

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Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - der heiligen, wesenseinen und unteilbaren Dreifaltigkeit.
Gnade sei mit euch und Friede!

ARTIKEL 9: VON DER TAUFE

Von der Taufe wird gelehrt, daß sie heilsnotwendig ist und daß durch sie Gnade angeboten wird; daß man auch die Kinder taufen soll, die durch die Taufe Gott überantwortet und gefällig werden, d.h. in die Gnade Gottes aufgenommen werden. Deshalb werden die verworfen, die lehren, daß die Kindertaufe nicht richtig sei.

Im Grunde behandelt der ganze IX. Artikel eine speziellen Frage zum Thema „Taufe“: die Kindertaufe. Da sich in diesem Punkt die Lutheraner mit den Römern einig waren, wird dazu allerdings nicht viel gesagt. Nur so viel, daß die Taufe heilsnotwendig ist; daß man auch die Kinder taufen soll und daß durch die Taufe die Kinder Gott anvertraut und wohlgefällig werden. Und schließlich werden jene verurteilt, die der Kindertaufe ihre Berechtigung und ihre Kraft absprechen. Der lateinische Text weicht etwas vom deutschen Text ab: Wir verdammen die Wiedertäufer, die die Kindertaufe verwerfen und behaupten, daß Kinder ohne Taufe gerettet werden können.

Wie kommt es, daß die Wiedertäufer behaupten, daß die Kinder ohne Taufe selig werden könnten?
Sie bestreiten, daß Kinder glauben können. Deswegen taufen sie sie auch nicht. Einige von ihnen meinen, daß die Kinder ohne den Glauben und ohne Taufe gerettet werden könnten. Ich will das hier nicht ausschließen. Natürlich kann Gott, wenn Er will. Aber ich habe mich als Christ an die Hl. Schrift zu halten und nicht an meine Mutmaßungen darüber, was Gott kann und was Er will und was Er kann, wenn Er will. Ich habe mich an die klaren Worte der Hl. Schrift zu halten. Und da heißt es:

Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Von einer Ausnahme für die nichtglaubenden kleinen Kinder ist das nicht die Rede. Wohlgemerkt! Ich will nicht behaupten, daß es keine gibt. Aber ich wundere mich über die jene, die steile Thesen aufstellen zu Dingen, über die die Hl. Schrift schweigt. Wir haben nicht das Schweigen der Bibel leichtfertig mit unserem Geplauder und unseren Vermutungen auszufüllen.

M. E. haben wir es hier mit einer Bagatellisierung des erbsündlichen Verderbens zu tun. Das Augsburgische Bekenntnis definiert die Erbsünde ausschließlich als das zerbrochene Verhältnis zu Gott, in das jeder Mensch hineingeboren wird. Über das zerbrochene Verhältnis zu unserem Nächsten, das die Folge unserer kaputten Beziehung zu Gott ist, redet es nicht. Denn 1. sagt das Augsburgische Bekenntnis nicht alles, was zu einem Thema gesagt werden kann und 2. ist dieses Bekenntnis wie alle rechtgläubige Theologie theozentrisch und nicht anthropozentrisch.

Ein Irrtum über das Wesen der Sünde allgemein und der Erbsünde speziell wird man immer daran erkennen, daß Sünde bagatellisiert wird. Man hat kleine, süße, „unschuldige“ Babys vor Augen und fragt, wo da Sünde sein soll. Der Fehler ist, daß hier wie sonst auch so oft Sünde einzig und allein an den Geboten der Zweiten Tafel festgemacht wird. Man sucht Sünde nur anhand der Gebote, die von unseren Pflichten gegenüber unseren Mitmenschen handeln. Aber die Gebote der Ersten Tafel, die von den Pflichten gegenüber Gott handelt, berücksichtigt man nicht.
Wer unter Sünde einzig Vergehen gegen die Gebote 4 bis 10 versteht, dem gilt Mord als Sünde. Dem gilt Diebstahl als Sünde und Lüge als Sünde. Aber daß jemand nicht an Gott glaubt, daß er Gott lästert und alle heiligen Dinge mit Füßen tritt, daß er am Sonntag nicht den Gottesdienst besucht, gilt in den Augen unserer Zweitgenossen keineswegs Sünde, sondern als allenfalls als Ausdruck der Freiheit der Kunst, der Meinung und der Zeitgestaltung.
Wenn dann einer von diesen Leuten hört, im Augsburgischen Bekenntnis steht, daß „alle natürlich geborenen Menschen in Sünde empfangen und geboren werden“ und daß „sie alle von Mutterleib an voll böser Lust und Neigung sind“, läuft er Amok. Denn er unterstellt uns sein eigenes defizitäres Sündenverständnis und meinten, wir glaubten, daß alle Menschen von Mutterleib an Mörder, Diebe und Lügner sind.
Wer Sünde vor allem anhand der Gebote der Zweiten Tafel sucht, wird bei einem Säugling nichts finden außer daß er seinen Eltern die Nachtruhe gestohlen hat. Wenn man aber keine dieser Sünden findet, ist er auch kein Sünder und dann kann man durchaus zu der Ansicht gelangen, daß dieser kleine „unschuldige“ Mensch auch ohne Taufe und Glauben gerettet werden kann.
Diesen Leuten kann man nur sagen: Du hast nicht bedacht, wie schwer die Sünde wiegt. Du hast nicht bedacht, wie tief gesunken die Menschheit durch Adams Fall ist. Du hast nicht bedacht, wie ausweglos verloren ein Mensch ist. Denn wer das alles bedenkt kommt nie auf den Gedanken, daß irgend etwas am Menschen oder im Menschen sein könnte, was Gott verpflichten müßte, ihm gnädig zu sein.

Was ist nun zur Kindertaufe zu sagen? Zu jenen, die sagen, daß erst das Bekenntnis des Glaubens und die Menge des Wassers dieses Wasser zur Taufe macht. Diese Narren wähnen, der Glaube sei eine menschliche Gabe, die erst das Sakrament zu etwas mache. Als wäre unser Glaube etwas, was wir Gott geben könnten. Hier wird der Mensch groß und Gott klein gemacht.
Glaube ist die Hand, die von Gott nimmt! Nicht die Hand, die Ihm etwas gibt! Weil der Glaube nimmt, aber nicht gibt, werden wir durch den Glauben gerettet, aber keinesfalls wegen unseres Glaubens. Achtet auf die Präpositionen!
Sie sagen, daß kleine Kinder noch nicht glauben können und mißverstehen dabei den Glauben, indem sie ihn rationalistisch verkürzen. Glauben lediglich als gedankliche und verstandesmäßige Zustimmung zu den verschiedenen Glaubensartikeln verstehen. Das ist der Glauben natürlich auch, aber nicht nur.
Daß kleine Kinder sehr wohl glauben können, geht aus Mt 18,5f. par. hervor, wo Jesus sagt:

Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.

Daß Johannes der Täufer schon „schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geist erfüllt“ war (Lk 1,15), will ich hier nur am Rande erwähnen.

Es wird von Taufgesinnten auch eingewandt, daß kleine Kinder Gott nicht anrufen können, und das würde aber zu einer Taufe gehören.
Kann ein Säugling Gott anrufen? Immerhin geht die Hl. Schrift davon aus, daß sogar Tiere Gott anrufen können: „Wer stellt dem Raben sein Futter bereit, wenn seine Jungen zu Gott schreien, umherirren ohne Nahrung?“ (Hiob 38,41, Ps 147,9) Sollte Menschen unmöglich sein, was sogar das unvernünftige Vieh vermag? Jesus geht wie selbstverständlich davon aus, daß aus kleine Kinder zu Gott schreien können, als er die Hohenpriester und Schriftgelehrten fragte: „Ja, habt ihr nie gelesen: ‚Aus dem Mund der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet?“ (Mt 21,19)

Dann wird moniert, daß nirgendwo ausdrücklich in der Bibel steht, daß Kinder zu taufen sind. Und da nirgendwo ausdrücklich so etwas gesagt wird, schlußfolgert man , daß man kleine Kinder auch nicht taufen dürfe. Darauf erwidern wir: Mit dem gleichen Recht könnte man Frauen das Hl. Abendmahl verweigern, denn nirgendwo wird in der Schrift ausdrücklich angeordnet, daß auch Frauen zum Tisch des HErrn kommen sollen.

Zuletzt nur noch eins: Auch die Taufe hat Vorbilder im Alten Bund. Die Beschneidung ist eins dieser Bilder! Schon Paulus parallelisiert Taufe und Beschneidung im Brief an die Kolosser. Die Wiedertäufer bestreiten natürlich, daß die Beschneidung eine Vorausschattung der Taufe war. Aus gutem Grund! Denn wenn es so ist, fällt ihre Tauflehre dahin und es gibt dann keinen Grund, kleinen Kindern und Säuglingen die Taufe zu verweigern. Ein achttägiges Knäblein im Alten Bund konnte nämlich auch nicht selbst „entscheiden“, ob es zu diesem Bund gehören wollte oder nicht. Es wurde dennoch und in diesen Bund aufgenommen. So ist es auch recht und billig, daß christliche Eltern ihre Kinder zur Taufe tragen und sie in den Neuen und ewigen Bund aufnehmen lassen.

Du aber Christ, tröste dich deiner Taufe. Du kannst es, weil die Taufe nicht dein Werk ist, sondern Gottes Werk an Dir. Laß dir diesen Trost nicht rauben.
 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.