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Predigt über das Augsburgische Bekenntnis: Artikel VIII

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Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - der heiligen, wesenseinen und unteilbaren Dreifaltigkeit.
Gnade sei mit euch und Friede!

ARTIKEL 8: WAS DIE KIRCHE SEI?

Ebenso, obwohl die christliche Kirche eigentlich nichts anderes ist als die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen, jedoch in diesem Leben unter den Frommen viele falsche Christen und Heuchler, auch öffentliche Sünder bleiben, sind die Sakramente gleichwohl wirksam, auch wenn die Priester, durch die sie gereicht werden, nicht fromm sind; wie denn Christus selbst sagt: "Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Pharisäer" usw. (Mt 23,2).
Deshalb werden die Donatisten und alle anderen  verdammt, die anders lehren.

Die letzte und blutigste Verfolgung der Christen im Römischen Reich war gerade vorüber. Da starb im Jahre 312 der Bischof von Karthago. Als sein Nachfolger wurde sein Erzdiakon Caecilianus gewählt und zum Bischof geweiht. Dagegen erhob sich allerdings heftiger Widerspruch von einem Teil der Nordafrikanischen Kirche: Die Weihe sei ungültig, weil angeblich einer der Bischöfe, die Caecilianus geweiht hatten, in der letzten Christenverfolgung den Behörden Bibeln, liturgische Bücher und gottesdienstliche Geräte ausgeliefert hätte. Später stellte sich heraus, daß das gar nicht stimmte.

Der Teil der nordafrikanischen Kirche, der der Meinung war, daß die Amtshandlungen eines sündigen Klerikers unwirksam sind, weihte statt des Caecilianus einen anderen zum Bischof. Der starb aber bald. Sein Nachfolger war ein Mann namens Donatus, nach dem die ganze Sekte später ihren Namen erhielt. Die Donatisten hielten sich wie die Kirche in Nordafrika bis zur Ausrottung des Christentums durch die Mohammedaner 300 Jahre später.

Man könnte das alles für eine tragische, aber längst vergangene Episode der Kirchengeschichte und  Theologengezänk von damals halten. Ist es aber nicht.  Denn die Antwort auf die Frage, wovon die Gültigkeit einer kirchlichen Handlung abhängt, ist außerordentlich wichtig. Als Christ möchte man zum Beispiel schon ganz genau wissen, ob man wirklich getauft ist oder nicht.
Die donatistische Meinung, daß die Gültigkeit der Sakramente vom Glauben des Spenders abhängig ist, starb nie aus. Im alten Pietismus und der Heiligungsbewegung gab es viele Donatisten. Es geschah oft, daß Pietisten nicht zum Hl. Abendmahl gingen, weil der Pastor das war, was sie als „ungläubig“ bezeichneten.
 

Es gibt aber noch eine zweite Position: Nach dieser Ansicht ist  es der Glaube des Empfängers, der eine Handlung zu einem Sakrament macht. Eine ganze Abteilung des Christentums lebt von dieser Ansicht! Ich rede hier vom Baptismus und seinen Ablegern. Auch Teile des neueren Pietismus muß man hier nennen. Dort gilt: Erst der Glaube des Täuflings macht Wasser zu einer Taufe. Glaubt der Täufling nicht, ist’s keine Taufe gewesen.

Daß der Glaube des Empfängers das Sakrament zum Sakrament macht, ist letztendlich ein calvinistischer Topos. Calvin bestritt nämlich, daß es bei einem Sakrament das sogenannte „Element“ ist, das die göttliche Gnade aufgrund des Wortes Gottes transportiert. Daß also Gott also in, mit und unter Wasser, Brot und Wein, Öl oder eine Handauflegung Seine Gnade austeilt.
Reformierte Christen halten dagegen die äußerlichen Zeichen eines Sakraments nur für die Illustrationen der Gnade. Diese Gnade wird aber keineswegs mittels dieses äußeren Zeichens ausgeteilt. Das Wasser der Taufe zum Beispiel illustriert die Reinigung von den Sünden, bewirkt sie aber nicht. Die Gnade kommt nach dieser Sicht der Dinge nicht mittels des Elementes, sondern durch den Heiligen Geist quasi auf einem Nebengleis dazu. 

Darum ißt ein reformierter Christ ißt beim hl. Abendmahl Brot und Wein als Brot und Wein. Seiner Meinung nach transportieren nicht Brot und Wein den Leib und das Blut Jesu zu ihm, sondern der Hl. Geist ist dieser Transporteur. Der HErr kommt nicht im Brot und Wein zu ihm, sondern unabhängig von diesen Elementen durch den Hl. Geist.
Ein Calvinist würde abstreiten, daß er den Leib und das Blut des HErrn mit dem Mund empfängt. Er ist der Meinung, daß er den HErrn "geistlich" wie sonst auch durch die Verkündigung etwa. Das Abendmahl selbst gibt nichts anderes als etwa eine Predigt. So wird auch verständlich, warum in calvinistisch geprägten Gemeinden das Abendmahl so selten gefeiert wird. Es gibt nicht mehr als eine Predigt, verlängert aber den Gottesdienst.
Brot und Wein sind in dieser Sicht eher nebensächlich. Darum wird ein Reformierter auch immer protestieren, wenn bei der Epiklese der Hl. Geist auf die Gaben herabgerufen wird (Gabenepiklese). Wenn er eine Epiklese zuläßt, dann allerhöchstens über die Gemeinde. (Gemeindeepiklese)
Sind die Elemente beim Heiligen Abendmahl nebensächlich wird man auch sehr schnell offen für Saft oder gar Wasser beim Abendmahl. Oder auch für Chips und Cola oder Bockwurst und Kakao. 

Oft ist die calvinistische Sichtweise jedoch so weit degeneriert, daß man nicht mehr den Hl. Geist für den Transporteur Christi hält, sondern den Gläubigen selbst! Jesus ist dann beim Verzehr von Brot und Wein gegenwärtig, weil man an Ihn denkt. Der HErr vergegenwärtigt sich nicht selbst, sondern der Gläubige muß den Herrn beim Abendmahl kraft seiner Erinnerung vergegenwärtigen! Dieselben Leute halten aber in der Regel die Meinung, daß das Handeln des Priesters Christi Gegenwart in den Elementen des Sakramentes bewirkt, für eine schlimme Irrlehre.
Wenn also Wasser, Brot und Wein, Öl und Handauflegung nur ein Bild für die Gnade sind, aber nicht Träger der Gnade, muß der Mensch selbst machen, daß das Sakrament wirksam ist und man die abgebildete Gnade empfängt: das persönliche Glaubensbekenntnis bei der Taufe oder das An-Jesus-Denken beim Abendmahl. So wird mir aber die Gnade nicht aus Gnade zuteil, sondern durch meine Werke.

Unsicherheit und manchmal auch Heuchelei ist das traurige Erbteil derer, die bestreiten, daß die Sakramente Gottes Werk sind und nicht die des Menschen. Da ist es egal, ob man als Donatist die die Gültigkeit eines Sakramentes vom Glauben des Spenders oder als Calvinist die Gültigkeit eines Sakramentes vom Glauben des Empfängers abhängig macht.  Denn natürlich weiß man nie genau, ob man selbst oder der Pastor genug geglaubt hat.

Unser Augsburgische Bekenntnis aber sagt: „Die Sakramente [sind] … wirksam, auch wenn die Priester, durch die sie gereicht werden, nicht fromm sind; wie denn Christus selbst sagt.“

Warum ist das so?“ fragst Du?
Ich antworte: Es ist so, weil die Kraft in die einzelnen Sakramente von Gott hineinlegt wird und nicht von einem Menschen, er sei der Austeilende oder der Empfangende.

Nun fragst Du wieder: „Aber ist denn der Glaube nicht nötig, damit man ein Sakrament zum Heil empfängt?
Ich antworte Dir: Natürlich!  Ohne Glaube nützt ein Sakrament nichts. Aber der Glauben macht nicht das Sakrament, sondern er empfängt es. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Aufgabe deines Glaubens ist es nicht, den göttlichen Segen ins Sakrament hineinzubringen, sondern den göttlichen Segen aus dem Sakrament herauszuholen.

Verstehe den Glauben wie deine Hände. Mit ihnen Händen kannst du tätig sein und viel schaffen. So will dein Glaube ein tätiger Glaube sein. Ein "Glaube, der durch die Liebe tätig ist" (Gal 5,6). Aber du kannst die Hände auch nur hinhalten, und sie dir füllen lassen und nehmen. Bei den Sakramenten nimmst du, schaffst aber nicht.

Die Sakramente können die Kraft, die ihnen von Gott beigefügt wurde, nur entfalten, wenn der Empfänger keinen Riegel vorschiebt. Ein Mensch, der ein Sakrament empfängt, kann zwar den göttlichen Segen durch seinen Glauben nicht ins Sakrament hineinbringen, aber er kann durch seinen Unglauben verhindern, daß der Segen bei ihm nicht – oder: noch nicht – zur Wirkung kommt.

Welche Rolle spielt nun aber der Priester?“ willst Du nun wissen? Ich sage: Ein Sakrament ist wie ein West-Paket, das Gott gepackt hat. Gott händigt dir dieses Paket durch einen Boten aus so wie die Deutsche Post es tut. Der Priester ist nur der Postbote. Ob der Postbote ein guter oder ein schlechter Mensch ist, ist für den Inhalt des Paketes völlig unerheblich. Er muß ein offizieller Postbeamter sein und das Paket vorschriftsmäßig bei Dir abliefert. Auf unser Beispiel angewandt: Der ordnungsgemäß eingesetzte Hirte muß schriftgemäß predigen und die Sakramente einsetzungsgemäß verwalten. Was ein Pastor für Sünden auf dem Kerbholz hat, weißt du in der Regel nicht. Es braucht dich auch nicht zu kümmern. Denn der Postbote ist für die Qualität des Pakets unwichtig. Das Paket wird nicht besser durch einen guten Postboten und es wird nicht schlechter, durch einen bösen Postboten. Das Paket ist, was es ist, durch den, der es gepackt hat.

Was ein Pastor konkret auf dem Kerbholz hat, weißt du in der Regel nicht. Aber du kannst wissen, ob er ordnungsgemäß eingesetzt ist, schriftgemäß predigt und die Sakramente einsetzungsgemäß verwaltet. Das alles zu Du wissen und dorthin zu gehen, wo du so etwas findest, ist deine eigene Verantwortung.

Es bleibt dabei: „Die Sakramente [sind] … wirksam, auch wenn die Priester, durch die sie gereicht werden, nicht fromm sind; wie denn Christus selbst sagt.“

Die Gnade Gottes ist wie ein Sonnenstrahl. Wird ein Sonnenstrahl dadurch besudelt, daß er in einer dreckigen Pfütze gespiegelt wird? Niemals.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.