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Predigt über das Augsburgische Bekenntnis: Artikel VII

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Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - der heiligen, wesenseinen und unteilbaren Dreifaltigkeit.
Gnade sei mit euch und Friede!

ARTIKEL 7: VON DER KIRCHE

Es wird auch gelehrt, daß allezeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muß, die die Versammlung aller Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, daß das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden. Und es ist nicht zur wahren Einheit der christlichen Kirche nötig, daß überall die gleichen, von den Menschen eingesetzten Zeremonien eingehalten werden, wie Paulus sagt: "Ein Leib und ein Geist, wie ihr berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe"

Ich fasse den ersten Satz mal zusammen: „Es wird auch gelehrt, daß … Kirche sein … muß.“ Das ist natürlich eine These, der die allermeisten unserer Zeitgenossen widersprechen werden. Alles mögliche muß ihrer Meinung nach sein, aber die Kirche gehört ganz bestimmt nicht dazu. Dabei sind es nicht einmal nur die gottlosen oder einfach auch nur gleichgültigen unserer Mitmenschen, die die Kirche für höchst überflüssig halten. Auch unter den Intellektuellen findet man solche und natürlich vor allem in den sogenannten Freikirchen sind sie da: jene, die da sagen: „Wozu brauche ich die Kirche, um an Gott zu glauben?“

Wozu Kirche? Warum lesen wir im Augsburgischen Bekenntnis, daß es ohne Kirche nicht geht? Daß allezeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muß?

Die Antwort finden wir in den vorhergehen Artikeln, in denen vom abgrundtiefen Elend und der unentrinnbaren Verdammnis die Rede ist, in der sich „nach Adams Fall alle natürlich geborenen Menschen“ (2. Artikel) befinden. Dort, wo gesagt wird, daß der Sohn Gottes „ein Opfer nicht allein für die Erbsünde, sondern auch für alle anderen Sünden war und Gottes Zorn versöhnte“. (3. Artikel)  „Daß wir Vergebung der Sünde bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnade um Christi willen durch den Glauben.“ (4. Artikel) Daß Gott, „um diesen Glauben zu erlangen, … Gott das Predigtamt eingesetzt, das Evangelium und die Sakramente gegeben [hat]“. (5. Artikel)

Und da sind wir dann auch schon bei der Kirche. Die Eine heilige Kirche muß allezeit sein und bleiben, weil sie der Ort ist, wo Gott die Instrumente Amt, Wort und Sakramente eingesetzt und gegeben hat, damit Menschen Vergebung der Sünde bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnade um Christi willen durch den Glauben. Amt, Wort und Sakrament machen die Kirche aus. Menschen sind Kirche nicht weil sie Kirchensteuern eintreiben lassen oder zahlend oder weil sie in Gebäuden oder auf Ländereien sitzen, die einmal der Kirche gehörten zu Kirche. Es ist das Amt in apostolischer Sukzession, die schriftgemäße Verkündigung und die einsetzungsgemäße Verwaltung der Sakramente was Kirche zur Kirche macht. Das kann in einem riesigen Dom oder in einer räudigen Katakombe sein.

Kirche wird es nach Gottes Ratschluß immer geben, denn sie ist das Mittel, durch das Er Menschen rettet. Die Eine heilige Kirche muß allezeit sein und bleiben, weil sie die einzige Arche ist, in der die, die in ihr sind, „von dem zukünftigen Zorn errettet werden[1]. Die Eine heilige Kirche muß allezeit sein und bleiben, weil wir Menschen ohne sie nicht gerettet werden können.
Weil Kirche heilsnotwendig ist, muß die Eine heilige Kirche allezeit sein und bleiben.

Das Augsburgische Bekenntnis hält sich nun nicht damit auf, die verschiedenen Vorstellungen von „Kirche“ aufzuzählen und auseinander zu pflücken. Es sagt schlicht und ergreifend, was das mindeste ist, was Kirche ausmacht und was für das Kirchesein unerheblich ist.

Was Kirche zu Kirche macht ist, daß sie „die Versammlung aller Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden“. Was das Kirchesein nicht konstituiert, sind „von den Menschen eingesetzten Zeremonien“. Und das ist auch nur verständlich, wenn man die vorhergehenden Artikel verstanden hat. Das Evangelium und die Sakramente sind absolut notwendig, um den rettenden Glauben zu erlangen. Zeremonien, Feiertage, Gewänder, Weihrauch, Kerzen usw. sind Beiwerk. Wer anderen das Christsein wegen dieser Dinge abspricht, hat den Pfad christlicher Weisheit, Erkenntnis und Liebe verlassen. Und da ist es egal, ob man Äußerlichkeiten von andern strikt fordert oder sie anderen streng verbietet. Kirche ist dort, wo „das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden“. Mehr suche man nicht bei sich und anderen, denn mehr sucht Gott auch nicht.

Wir wollen nun einen kleinen Augenblick bei dem Begriff „Versammlung aller Gläubigen“ verweilen. Um welche Art von Versammlung es geht, zeigt der Zusammenhang des Bekenntnisses: Es geht um eine Versammlung, in der „das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden.“ Hier ist von nichts anderem als vom Gottesdienst die Rede. Wer zum Beispiel nicht an dieser Versammlung der Gemeinde teilnimmt, gehört nicht wirklich zu ihr. Man mag auf Karteikarten stehen und Unmengen an Kirchensteuern zahlen: Wer schuldhaft nicht am Hauptgottesdienst der Gemeinde teilnimmt, stellt sich selbst außerhalb Kirche. Wer aber nicht zur Kirche gehört, gehört nicht zu Christus, denn die Kirche ist der Leib Christi. Wer in der Zeit nicht zu Christus gehört, wird auch die Ewigkeit fern von ihm verbringen.

Die Kirche ist unzerstörbar. Mögen hier und da in manchen Gebieten christliche Gemeinden in Verfolgungen ausgerottet werden: die Pforten der Hölle werden die Kirche nicht überwinden. Mögen hier und da in manchen Gebieten Gemeinden durch Irrlehren zu Sekten werden, die ihre Glieder  in Massen ins Verderben führen: die Pforten der Hölle werden die Kirche nicht überwinden. Mögen wir selbst den Eindruck haben, daß wir untergehen: Mit uns geht die Kirche Gottes, die Gnade Christi, das Werk des Hl. Geistes nicht unter.

Die Eine heilige Kirche muß allezeit sein und bleiben, denn sie ist kein Jesus-Fanclub. Sie ist kein Gemeinschaft zur Pflege liturgischer Traditionen und kein Verein zur Rettung von Kröten, kein Ableger von Greenpeace, kein Flüchtlingshilfswerk, keine Religionsgemeinschaft von Christusverehrern. Sie ist nicht weniger als „der unter Menschen gestaltgewordene Christus.“  Wer es mit der Kirche zu tun hat, hat es also mit Christus selbst zu tun. Weil nun der Tod über Christus hinfort nicht herrschen kann,[2] werden die Pforten des Totenreichs die Kirche nicht überwinden.

Und wenn auch immer die Feinde des rechten christlichen Glaubens innerhalb und außerhalb der Kirche frohlockten, weil sie ihren Sieg nahe sehen: Der im Himmel wohnet lachet ihrer und der HErr spottet ihrer. Weil Christus allezeit sein und bleiben wird, wird auch die Kirche allezeit sein und bleiben samt denen, die sich in ihrem Schoß befinden.

Gott erhalte uns Seine heilige Kirche und erhalte uns Seiner Kirche.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.


 

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[1] 1 Thess 1,9f.

[2] Röm 6,9