Startseite
Liturgischer Kalender
Unsere Gottesdienste
Unsere Gemeinschaft
Unser Glaube
Kirchliche Erneuerung
Tägliche Betrachtungen
Zum Nach-Denken
Theologische Beiträge
Auf-Gelesenes
Un-Zeitgemäßes
HAStA-Literatur
Buchempfehlungen
Links
Suche
Kontakt / Impressum
Datenschutzerklärung
Haftungsausschluß

Predigt über das Augsburgische Bekenntnis: Artikel VI

 Zurück Übergeordnete Seite Weiter

 

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - der heiligen, wesenseinen und unteilbaren Dreifaltigkeit.
Gnade sei mit euch und Friede!

ARTIKEL 6: VOM NEUEN GEHORSAM

Auch wird gelehrt, daß dieser Glaube gute Früchte und gute Werke hervorbringen soll und daß man gute Werke tun muß, und zwar alle, die Gott geboten hat, um Gottes willen. Doch darf man nicht auf solche Werke vertrauen, um dadurch Gnade vor Gott zu verdienen. Denn wir empfangen Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit durch den Glauben an Christus - wie Christus selbst spricht: "Wenn ihr alles getan habt, sollt ihr sprechen: Wir sind untüchtige Knechte." So lehren auch die Kirchenväter. Denn Ambrosius sagt: "So ist es bei Gott beschlossen, daß, wer an Christus glaubt, selig ist und nicht durch Werke, sondern allein durch den Glauben ohne Verdienst Vergebung der Sünde hat."

Im 5. Artikel Augsburgischen Bekenntnisses wurde gesagt, daß Gott die Gnadenmittel Amt, Wort und Sakrament eingesetzt hat um durch diese Instrumente den Hl. Geist zu geben. Dieser Hl. Geist wirkt den rechtfertigenden Glauben. Artikel. Der 6. Artikel setzt den Gedankengang fort und macht deutlich:

Der rechtfertigende Glaube ist zugleich immer auch tätiger Glaube. Denn der rechtfertigende Glaube wird ja vom Hl. Geist gewirkt. Dieser Hl. Geist aber ist „Herr und machet lebendig“. Ein vom „Lebendigmacher“ gewirkter Glauben kann darum nicht anders sein als eben ein „lebendiger“ Glaube.

Rechtfertigender Glaube ist lebendiger Glaube! Kennzeichen des Lebendigseins ist aber, daß das Lebewesen tätig ist. Ein Lebewesen, sei es noch so klein, wirkt Werke. Selbst die winzigste Amöbe im Schlamm zu deinen Füßen ist aktiv und tätig, denn sie ist lebendig. Ein Stein aber liegt nur da und tut nichts von sich aus. Selbst wenn ihn jemand nimmt und dir an den Kopf wirft, ist er selbst doch rein passiv. Er kann nichts tun, denn er ist tot. „So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber“, schreibt Jakobus in seinem Brief.  Daß ein Glaube tot ist, zeigen die nicht vorhandenen Werke unfehlbar an. Der Rechtfertigende Glaube ist lebendiger Glaube und lebendiger Glaube ist auch immer "Glaube, der durch die Liebe tätig ist". (Gal 5,6)
Luther pries diesen rechtfertigenden, lebendigen, tätigen Glauben so: 

O es ist ein lebendig, geschäftig, tätig, mächtig Ding um den Glauben, daß es unmöglich ist, daß er nicht ohn Unterlaß Gutes wirken sollte. Er fragt auch nicht, ob gute Werke zu tun sind, sondern ehe man fragt, hat er sie getan, und er ist immer im Tun.

Was aber sind das für Werke, die der vom Hl. Geist gewirkte Glaube tut? Es ist die Frucht, die der Hl. Geist wachsen läßt im Leben jedes Gläubigen. Diese „Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit; gegen all dies ist das Gesetz nicht.“[1]

Gegen all dies ist das Gesetzt nicht! Der Hl. Geist bewirkt im Leben des Gläubigen das, was das Gesetzt fordert. „Welche der Geist Gottes treibt, die sind [nicht nur] Gottes Kinder!“[2], sondern auch die, das tun, was das Gesetz fordert.

Es hat aber eben eine entscheidende Änderung der Reihenfolge gegeben. Nicht mehr:

·       ich tue erst mit meiner menschlichen Kraft die Werke des Gesetzes und werde danach durch die Werke gerecht, sondern:

·       ich werde erst gerecht [durch den geistgewirkten Glauben] und tue danach getrieben vom Geist das, was das Gesetzt fordert.

Einmal sind die Werke Voraussetzung, daß man vor Gott gerecht oder richtig ist und ein anderes Mal sind sie die Folge des Richtigseins vor Gott.
Einmal wirken Menschen die Werke, ein anderes Mal schenkt Gott dem Gerechtfertigten diese Werke. Denn so lesen wir in der Offenbarung, daß es der Braut des Lammes gegeben wurde, „sich anzutun mit schönem reinem Leinen.“ Und dann wird erklärt: „Das Leinen aber die gerechten Taten der Heiligen.“ Die gerechten Taten der Heiligen werden ihnen von Gott geschenkt.

Du hast nichts, was du nicht von Gott empfangen hast. Du hast nichts, womit du vor Gott angeben kannst. Es bleibt dabei, wie Paulus schreibt: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.[3]

Alles, wirklich alles ist Gottes Geschenk an dich!

Aber nun denkst du bei dir selbst vielleicht: Es mag ja sein, daß Gott aus Sündern Heilige und Gerechte macht. Bei mir sehe ich nur lauter Sünde: Ich habe versäumt, Gutes zu tun und habe dafür Böses getan. Ob ich wohl überhaupt gerechtfertigt bin? Ob ich überhaupt vom Hl. Geist getrieben werde?

Lieber Bruder, liebe Schwester! Gerade das ist es, was dich froh machen sollte. Es ist eben das Wirken dieses Geistes, daß er dir deine Sünden aufzeigt und dich so von dir weg zu Christus fliehen läßt. Bleibst du bei dir selbst, bist du verloren. Fliehst du von dir weg und nimmst Zuflucht zum Herzen Jesu, bist du gerettet. Fliehe darum von dir selbst zu Christus!

Bedenke, wer uns in der Hl. Schrift als gerecht vor Augen gestellt wird: Abraham, Jakob, Mose, David Petrus, Paulus und andere, die keinesfalls sündlos waren. In seinem 2. Brief bezeichnet der Apostel Petrus sogar Lot, den Neffe Abrahams als „gerecht“. Und was der mit seinen Töchtern angestellt hat[4],  ist gewiß nicht heiligmäßig. Nicht einmal mäßig heilig. Auch Lot war ganz gewiß nicht sündlos. Aber er er wird im Neuen Testament "gerecht" genannt.
Die Gerechten der Bibel waren allesamt nicht sündlos. Aber sie suchten Gott in Gericht und Gnade. Sie mühten sich, sich in der rechten Stellung und Haltung vor Gott zu befinden. Die rechte Haltung aber, durch die man gerechtfertigt wird, hat uns der Zöllner aus jenem Gleichnis Jesu vorgelebt.[5] Der Pharisäer steht ganz vorne vor Gott und brüstet sich seiner rechten Taten. Er pocht darauf, daß er mehr getan hat als die anderen. Der Zöllner aber stand ganz weit hinten als unwürdig, vor Gott zu treten. Er wagt nicht, die Augen aufheben zum Himmel. Er hat keine Taten, auf die er vor Gott pochen könnte. Er pocht an seine Brust, in der sein böses Herz schlägt und unterwirft sich vollkommen dem Urteil Gottes. Jesus sagt, daß der sich selbst anklagende Zöllner gerechtfertigt nach Hause ging. Der Zolleinnehmer hatte die rechte Stellung und Haltung vor Gott. Das sei auch Dein Weg, der du unter deiner Sünde seufzt. Unterwirf dich dem Urteil Gottes, das Er unerbittlich vollstreckt hat an dem Mann am Kreuz. Unterwirf dich dem Urteil Gottes, der beschlossen hat, daß das dir das Strafgericht von Golgatha zugut geschehen sein soll. Dessen heiliger, unabänderlicher Willes es ist, daß der Herr Jesus um deiner Sünden willen dahingegeben und um deiner  Rechtfertigung willen auferweckt worden ist.[6]

Grund deines unendlichen Trostes sei, daß Christus am Kreuz nicht Seine eigene, sondern eine fremde Ungerechtigkeit trug. Deine Ungerechtigkeit nämlich!
Grund deines unendlichen Jubels sei, daß du vor Gott keine eigene Gerechtigkeit trägst, sondern eine fremde Gerechtigkeit. Christi Gerechtigkeit nämlich! 

Fliehe also zu Christus und seufze: „Ich habe nichts, ich bin nichts und ich kann nichts. Aber Du, mein Herr und Heiland hast alles, bist alles und kannst alles! Und du willst von Herzen gern mir alles geben, was du hast, alles für mich sein, was ich brauche und alles für mich tun, was ich nicht tun kann. Dafür will ich Dich preisen jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.


 

horizontal rule

[1] Gal 5,22f.

[2] Röm 8,14

[3] Eph 2,8-10

[4] Gen 19,30-38

[5] Lk 18,9-14

[6] Röm 4,25