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Wein oder Saft beim Hl. Abendmahl?

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Die Frage, um die es hier geht und die heute schon in vielen, wenn nicht sogar in den meisten protestantischen Gemeinden bedauerlicherweise mit einem "Ja" beantwortet wird, lautet:

Kann man beim Abendmahl den Wein durch Traubensaft oder anderen Saft ersetzen?

Es werden mancherlei Argumente für oder gegen das "Saft-Abendmahl" vorgebracht, Gegner und Befürworter haben jedoch in der Regel eins gemeinsam:
Sie sind sich nicht im klaren darüber, was es mit dem Spezialausdruck „Gewächs des Weinstocks“ auf sich hat, das sich nach den ersten drei Evangelien im Abendmahlskelch befand (Mt 26,29 / Mk 14,25 / Lk 22,18). Der Bremer Pastor Reinhard Schubert hat hierüber Entscheidendes herausgefunden und vor Jahren in seinem Gemeindebrief veröffentlicht. Wir geben hier den Artikel leicht gekürzt wieder. Pastor Schubert schreibt in Nr. 5/1981 seines Gemeindebriefes:

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"In manchen Kirchengemeinden wird das Abendmahl nicht mit Wein, sondern mit Saft gefeiert. Das ist kein Abendmahl mehr, denn es verstößt gegen den Einsetzungsbefehl des Herrn Jesus. Wer gab Pastoren und Gemeinden das Recht, zu ändern, was als Testament unseres Herrn über 1900 Jahre lang klar verstanden wurde?

Als Rechtfertigung sagt man: Durch den Wein sollen bestimmte Menschen nicht von vornherein vom Abendmahl ausgeschlossen werden, z. B. Alkoholiker und Kinder. Außerdem sei es egal, ob Wein oder Saft oder (im Notfall) irgendein Teeaufguß getrunken werde. Einige denken an einen Satz aus dem „Kleinen Katechismus“ über die Taufe; es heißt dort: „Wasser tut‘s freilich nicht“ - und so schließen sie messerscharf: Also kommt es auf den Wein nicht an. Was haben wir dazu zu sagen? 

1.  Wie eine Taufe ohne Wasser keine Taufe ist, so ist das Abendmahl ohne Wein kein Abendmahl.
Selbstverständlich muß Gottes Wort hinzukommen. Aber Gottes Wort ohne Wasser, Gottes Wort ohne Wein das ist eben bestenfalls eine Predigt, schlimmstenfalls eine Gotteslästerung, auf keinen Fall aber Taufe oder Abendmahl.

2. Aus scheinbarer „Liebe“ zu bestimmten Menschen, z. B. Kindern und Alko­holikern, dürfen wir die Einsetzung Jesu nicht ändern. Es gibt kein „Liebesgebot“ Jesu, das allen anderen Geboten unseres Herrn übergeordnet ist. Wer das denkt, ist gegen Jesus; der hat gesagt: „Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe“ (Joh 15,10).

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 5. Wer Saft statt Wein zum Abendmahl nimmt, dürfte es nur tun, falls die Einsetzungsworte Jesu, die sein Testament sind, nach Wortlaut und Zusammenhang dies erlauben. Wer das Abendmahl aus anderen Gründen ändert, ist schon nach menschlichen Maßstäben ebenso verwerflich wie jemand, der ein anderes Testament nicht beachtet oder sogar verändert. Nun stellt man fest: An dem Abend, an dem Jesus das heilige Abendmahl einsetzte und mit seinen Jüngern zum ersten Mal feierte, hat er nach dem Zeugnis der Bibel das Wort „Wein“ gar nicht benutzt. Er sprach vielmehr „ von dem „Gewächs des Weinstocks“ - und das, so argumentiert man, könnte dem Wortlaut nach auch Traubensaft sein. Diese Auslegung ist aber falsch. Weil das wenig bekannt ist, soll es hier einmal genau gezeigt werden. 

Jesus gebrauchte mit den Worten „ von dem Gewächs des Weinstocks“ eine ungewöhnliche Redewendung mit besonderer Bedeutung. Er bezeichnete damit (viel genauer, als hätte er nur „Wein“ gesagt!) den zum Trinken fertigen Wein und schloß zugleich Traubensaft, Weinessig oder andere „Produkte vom Wein­stock“ (vgl. 4 Mose 6,3f) aus. In unsrer Sprache klingt „vom Gewächs des Weinstocks“ viel unbestimmter als „Wein“; in der jüdischen Welt, in der Jesus, Sohn einer jüdischen Mutter, lebte, klang es umgekehrt: Die Worte „Gewächs des Weinstocks“ (hebräisch: perí hagafän, „Frucht des Weinstocks“) hatten eine überaus präzis festgelegte Bedeutung, nämlich „“Wein“.
Man kann das aus den Diskussionen und Entscheidungen der Rabbinen beweisen, die in dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung stattfanden und u. a. in Mischna und Tosefta überliefert sind; sie stammen aus der jüdischen Welt unseres Herrn. 

Im Mischnatraktat Berachot wird Folgendes überliefert: „ Wie spricht man den Segen über Früchte aus? Über Baumfrüchte sagt man: ‚(Gepriesen seist Du, Herr unser Gott, König der Welt,) der Du die Baumfrucht schaffest‘, ausge­nommen den Wein, denn über Wein sagt man: ‚ ... der Du die Frucht des Wein­stocks schaffest‘ „ (MBer 6,1). Es ist deutlich: „Frucht des Weinstocks“ ist eine feierliche und zugleich sehr genaue Bezeichnung nur für den Wein, für nichts anderes, auch nicht für den Traubensaft. Das wird noch klarer aus einer weiteren Stelle; Rabbi Elieser ben Hyrkanos (um 90 nach Christus) sagte: „über ‚rohen‘ (d. h. den noch nicht, wie damals üblich, mit Wasser vermischten) Wein spricht man den Lobspruch: ‚... der Du die Baumfrucht schaffest‘ ... Hat man Wasser hinein getan, spricht man über ihn den Lobspruch: ‚ ... der Du die Frucht des Weinstocks schaffest‘ “(TBer 4,3). Rabbi Elieser, der oft die strenge, ältere Meinung vertrat (und also noch näher an die Abendmahlseinsetzung Jesu, um das Jahr 30, heranreicht, weigerte sich demnach, auch nur den noch nicht zum Trinken vorbereiteten Wein mit dem Wort „Frucht des Weinstocks“ zu bezeichnen, obwohl es sich zweifelsohne schon um Wein handelte! Nur der trinkfertige, d. h. mit Wasser vermischte Wein verdiente nach seiner Auffas­sung diese Bezeichnung! Die Mehrheit der Rabbinen zu seiner Zeit hat dieser strengen Auslegung nicht zugestimmt; man erlaubte die Segensworte „Frucht (bzw. Gewächs) des Weinstocks“ auch über den Wein, bevor er mit Wasser gemischt war.

 Was folgt aus diesem? Jesus hat Wein zum Abendmahl genommen (ein halbes Jahr nach der Weinernte war auch kein unvergorener Traubensaft mehr vorhanden!), und er hat durch seine Worte, wie sie dastehen, Wein, und zwar nur Wein befohlen, hat nichts anderes freigestellt. Offengelassen und frei ist, ob man mit Wasser vermischten oder unvermischten, ob man Rot-, Weiß- oder Südwein o.a. zum heiligen Abendmahl nimmt.

 Wie sollen wir uns verhalten, wenn uns statt des Abendmahls ein Mahl mit Saft angeboten wird? Wir bitten die Verantwortlichen, diesen Mißbrauch rückgängig zu machen. Wir wollen an keinem Saftmahl teilnehmen und raten jedem davon ab. Es ist gegen die Einsetzung Jesu. Einem Alkoholiker, der uns um Rat fragt, raten wir, auf den Empfang des Segenskelches mit dem gesegneten Wein zu verzichten."

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Soweit also Pastor Schubert. Wir selber möchten seinen Ausführungen noch zwei weitere Zitate anfügen. Das erste kommt aus den lutherischen Bekenntnisschriften und lautet:

Wenn man die Stiftung Christi nicht hält, wie er’s verordnet hat, ist es kein Sakrament.
(SD VII,85)

Das zweite Zitat stammt von Martin Luther. In seiner Schrift "Von der Winkelmesse und Pfaffenweihe" schreibt er:

Summa, die Aemter und Sacramente sind nicht unser, sondern Christi, denn er hat solches alles geordnet und hinter sich gelassen in der Kirche, zu üben und zu gebrauchen bis an der Welt Ende, und leuget und treuget nicht; darum können wir auch nicht anders daraus machen, sondern müssen seinem Befehl nach thun und solches halten. Wo wir's aber ändern oder bessern, so ist's nichts und Christus nicht mehr da noch seine Ordnung ...
(Walch219,1271)

siehe auch: "Guter" wein  und "schlechter" Wein in der Bibel?

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