Startseite
Liturgischer Kalender
Unsere Gottesdienste
Unsere Gemeinschaft
Unser Glaube
Kirchliche Erneuerung
Zum Nach-Denken
Theologische Beiträge
Auf-Gelesenes
Un-Zeitgemäßes
Literatur
Links
Suche
Impressum
Haftungsausschluß

Handkommunion oder Mundkommunion?

Zurück Übergeordnete Seite Weiter

 

Beim heiligen Abendmahl scheint üblicher zu werden, am Altar zum empfang des Herrenleibes eine Hand auszustrecken, um die Gabe da hineingelegt zu bekommen, sie dann mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand zu ergreifen und selbst in den Mund zu nehmen. Diese Gewohnheit verdrängt wohl häufig die ältere, bei der man zum empfang den Kopf hob, den Mund weit öffnete und die Zunge so weit herausstreckte, daß der Austeilende die Hostie bequem darauf legen konnte.

Möglicher weise hängt die Neuerung auch zusammen mit dem heute allgemein bewußteren Bestreben nach Hygiene und der Befürchtung, eine denkbare direkte Berührung durch die Finger des Austeilenden könne unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Eben das zu vermeiden, kann jeder durch die benannte eigene sinnvolle Haltung das Seine beitragen. Und die Befürchtung müßte wohl größer sein, wenn einer die eigenen Hände und Finger benutzt - was alles hat der Empfangende seit der letzten Reinigung  seiner Hände alles berührt: Türklinken, Autoschlüssel, Gesangbuch, er hat womöglich auch Mitchristen die Hand gegeben zum Gruß.

Die Neuerung wird manchmal damit begründet, es handle sich um gar keine "Neuerung": diese Sitte sei in der Alten Kirche allgemein üblich gewesen. Sie wird tatsächlich bezeugt - allerdings wesentlich anders als die gegenwärtige. Der heilige Cyrill von Jerusalem gibt seinen Katechumenen die genaue Anweisung: "Trittst du vor dann darfst du nicht die Hände flach ausstrecken und nicht die Finger spreizen. Da die rechte Hand den König in Empfang nehmen soll, so mache die linke Hand zum Thron für Ihn! Nimm den Leib Christi mir hohler Hand entgegen und erwidere: Amen! ...Dann genieße Ihn, doch habe acht, daß dir nichts davon auf den Boden falle Was du davon fallen ließest, wäre natürlich so viel, als verlörest du eines deiner eigenen Glieder."[1] Hier gebietet also die Ehrfurcht vor dem Leib des Herrn und das Bewußtsein Seiner real auch leibhaften Gegenwart: jedes kleinste Krümelchen der Hostie muß von der Hand direkt in den Mund gelangen. Darum wurde die Hostie aus der Hand nicht mit den Fingern in den Mund genommen, sondern aus der Hand herausgeleckt mit der Zunge. So konnten keine Reste zurückbleiben. - Wie weit entfernt davon ist, was heute oft beobachtet werden kann: Krümel der Hostie verbleiben auf der Hand, manchmal sogar läßt einer die unachtsam auf de Boden fallen - zu schweigen von einem beabsichtigten Mißbrauch der Hostie.

Dagegen bezeugt in der alten lutherischen Kirche die weithin übliche Sitte der Mundkommunion Respekt vor dem wahren Leib Christi auch in den kleinsten Krümeln: sogar beim Empfang der Hostie direkt in den Mund hielten Chorknaben, wie bisher, vor der jeweiligen Gruppe der Empfangenden ein Tuch ausgebreitet. Sollten selbst bei dieser behutsamen Art des Austeilens Krümel sich verselbständigen, konnten die darin aufgefangen und hinterher sorgfältig abgetupft und verzehrt werden Die besondere Vorsicht und Umsicht bei der Handlung bringt deutlich zum Ausdruck: nicht was man da empfängt, sondern Wen.

Sagt der Herr: "Nehmt hin und eßt" - heißt das (urtextgemäß) nicht eindeutig "ergreift" (aktiv: faßt an, nehmt in Besitz), sondern genauso gut "empfangt" (passiv: er-haltet, bekommt). Immerhin ist ein ausschließlich aktives Verständnis abgewehrt. Jedes "Ergreifen" hat den Charakter einer Bemächtigung. Das widerspricht dem Verhältnis der Gläubigen zu ihrem Herrn Christus. Darum hat sich bald ab dem 5. Jh. (bis zum 9.) die Mundkommunion sicher herausgebildet als die angemessene Empfangsart der hochheiligen Gabe. In der Ostkirche, "um die Gefahr der Profanierung zu vermeiden", zerteilt seitdem der Zelebrant das "Lamm" (nach der Zahl der Kommunikanten) in kleine Stückchen, gibt sie in den Kelch und reicht die Kommunion mit einem goldenen Löffelchen - selbstverständlich direkt in den Mund.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

horizontal rule

 

[1] Myst, cat V,22

[2] Phil 3,1

[3] (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2004

[4] Spr 20,12

[5] Heinrich Vogel: Gott in Christo

[6] pāsin

[7] ánothen

[8] akribōs

[9] kathexēs

[10] etwa in Lk 24,3.43

[11] Echternach, Helmut: Kirchenväter, Ketzer und Konzilien. Seite 16

[12] Echternach, Helmut: Kirchenväter, Ketzer und Konzilien. Seite 16

[13] Echternach; a.a.O. Seite 16

[14] Echternach, a.a.O. Seite 19

[15] Echternach; a.a.O. Seite 16

[16] Lk 17,21

[17] ad Smyrn. 8,2

[18] Mt 28,7+16f.; Lk 6,17; 8,2; 10,1; Joh 6,66; 19,38; Apg 1,13-15.

[19] Mk 3,13

[20] Lk 6,13

[21] Mt 17,1; Mk 5,37; 9,2; 14,33; Lk 8,51; 9,28; Gal 2,9

[22] Apg 14,23

[23] Echternach; a.a.O. Seite 17

[24] 1 Kor 12,7

[25] 1 Petr 4,10

[26] Ps 119,164

[27] Mt 8,23; 9,29; 20,34; Mk 6,5; Lk 4,40; 13,13;

horizontal rule

Zurück Übergeordnete Seite Weiter

[nach oben]