Startseite
Liturgischer Kalender
Unsere Gottesdienste
Unsere Gemeinschaft
Unser Glaube
Kirchliche Erneuerung
Zum Nach-Denken
Theologische Beiträge
Auf-Gelesenes
Un-Zeitgemäßes
Buchempfehlungen
Links
Suche
Impressum
Haftungsausschluß

Unsere Gemeinschaft: evangelisch-lutherisch

Zurück Übergeordnete Seite Weiter

 

Grundstrukturen der Kirche Augsburgischer Confession

Am 25. Juni jährt sich zum 433. Male der Tag der Übergabe der Augsburgischen Confession. Vor Kaiser und Reich legten damals zu Augsburg die evangelisch Gesinnten durch Überreichung und Verlesung dieser Bekenntnisschrift Zeugnis ab von ihrem Glauben, bei dem sie durch GOTTes Gnade zu verharren gedachten. Seitdem ist der 25. Juni 1530 zu einem historischen Datum geworden. Die Confession, einmal öffentlich und feierlich als solche übergeben, wurde zum Sammelzeichen für alle, die sich der durch das Werk Martin Luthers bezeichneten kirchlichen Reformation anschlossen. Bald nannten sich Theologen, Fürsten, Stände und Gemeinden nach ihr, um somit ihren kirchlichen Standort zu kennzeichnen, und es bürgerte sich im allgemeinen Sprachgebrauch die Bezeichnung „Kirchen Augsburgischer Confession“ ein, was darauf beruhte, daß diese Confession in steigendem Maße als nostri temporis symbolum[1], als   d a s   Symbol der Zeit, empfunden wurde. Es übte etwa die gleiche scheidende und sammelnde Funktion aus, wie in der Alten Kirche das Nizänische Symbol. So ist es nur folgerichtig, im Blick auf die durch die Reformation Martin Luthers geprägten Kirchengebiete als von der „Kirche Augsburgischer Confession“ zu sprechen, und ist diese Bezeichnung viel sinnvoller und sachentsprechender als jene andere: „evangelisch-lutherische Kirche“, die viel jüngeren Datums ist und die energische Verwahrung des Reformators selbst gegen eine solche Verwendung seines Namens gegen sich hat. Kirche JESU CHRISTI kann nie nach einem Menschen genannt werden, was schon St. Paulus den Korinthern deutlich geschrieben hat[2]. Man muß es als eine beklagenswerte Fehlentwicklung bezeichnen, daß sich in neuerer Zeit der Name „evangelisch-lutherische Kirche“ so festgesetzt hat und damit automatisch diese Kirche in ein schiefes Licht bringt. Wir wollen zu dem alten Namen „Kirche Augsburgischer Confession“ zurücklenken, wie wir uns selber auch viel lieber „Christen Augsburgischen Bekenntnisses“ nennen als „evangelisch-lutherische Christen“. Ohne dabei auch nur im Geringsten das reformatorische Werk Martin Luthers schmälern zu wollen, halten wir uns lieber auch in der Namensbezeichnung an das Bekenntnis, das den Glauben unserer Kirche in der Unterscheidung zu anderen Kirchen ausspricht.

In diesem Aufsatz nun sollen Grundstrukturen der Kirche Augsburgischer Confession aufgezeigt werden, und zwar, insofern sie sich aus dieser Confession selbst ergeben. Dabei kann es sich hier nur darum handeln, einige Hauptgesichtspunkte hervorzuheben, die für die Kirche Augsburgischen Confession grundsätzlich strukturelle Bedeutung haben und unabdingbar zu ihrem Wesen gehören. Wir nennen deren drei: Ihr katholischer Charakter, ihre soteriologische Bestimmtheit und ihr sakramental geprägter innerer Aufbau. 

I

Die Kirche Augsburgischer Confession steht in der legitimen katholischen Tradition und weiß sich als katholische Kirche Christi.

Die Augsburgische Confession will keinen neuen Glauben verkünden, keine religiösen Sonderlehren etwa des Reformators Martin Luther propagieren, sie will den alten reinen katholischen Glauben der heiligen Kirche JESU CHRISTI bezeugen und weiß sich dabei in der Gemeinschaft der ganzen rechtgläubigen Christenheit aller Jahrhunderte. Sie legt den allergrößten Wert darauf, als katholisches Glaubensdokument angesehen zu werden, das den von den hl. Aposteln her überlieferten und in mannigfachen Kämpfen mit vielerlei Ketzereien erhärteten Glauben der Kirche bewahrt. Am Schlusse des 1. Teiles, der 21 Artikel des Glaubens und der Lehre, wird feierlich erklärt, dies sei die Summe der Lehre bei uns, in qua cerni potest nihil inesse, quod discrepet a scripturis vel ab ecclesia catholica vel ab ecclesia romana, quatenus ex scriboribus nobis nota est[3]. Die 21 Glaubensartikel, die die Augsburgische vorlegt, erbringen für jedermann den Nachweis, daß tatsächlich ihre Lehre die katholische Lehre, d. h. die Lehre der hl. Schrift und der alten  katholischen Kirche Christi ist. Der Vorwurf der Gegner, man sei vom katholischen Glauben abgefallen und vertrete häretische Meinungen, wird damit entschieden und bestimmt zurückgewiesen. Gleich im 1. Artikel wird feierlich das altkirchliche Trinitätsdogma, das decretum Nicaenae synodi, als verum et sine ulla dubitatione credendum[4] rezipiert, sowie die Verdammung der dagegen aufgetretenen altkirchlichen Häresien bestätigt und werden zeitgenössische Erneuerer derselben, die antitrinitarischen Spiritualisten der Reformationszeit, verworfen. Artikel II von der Erbsünde verwirft die pelagianische Häresie, im III. Artikel wird die chalkedonensische Christologie, die Zweinaturenlehre von der wahren Gottmenschheit Christi, bekannt, in Artikel VIII der Donatismus verworfen. Der Ertrag aller großen Lehrkämpfe der Alten Kirche wird nachdrücklichst festgehalten und das Anathem gegen die damals verworfenen Häresien erneuert. So kann mit allem Nachdruck festgestellt werden, daß die Kirchen bei uns de nullo articulo fidei dissentiant ab ecclesia catholica [5], nichts werde gelehrt „zuwider der heiligen Schrift oder gemeiner christlichen Kirchen“[6]

Hierbei ist zu beachten, daß die Confession stets die katholische Tradition, die katholische Kirche, zusammenschaut mit der Heiligen Schrift. Diese als das „reine gottliche Wort“[7] wird stets als der Kern aller wahren katholischen Tradition gesehen. Es kann keine katholische Tradition gehen losgelöst von der Schrift. Die Übereinstimmung mit der Schrift gilt der Confession als der stärkste und gewisseste Nachweis echter Katholizität, Es kommt ihr zu allererst darauf an, daß alle ihre Aussagen in der Schrift gegründet sind. Sie enthält die Lehre, die – wie es in der Vorrede heißt – ex scripturis sanctis et puro verbo Dei vorgetragen wird[8]. Die Schrift ist unbedingt das reine göttliche Wort, Hort aller wahren Lehre und Tradition. Was ihr entgegensteht, ist eo ipso unkatholiseh und ungöttlich.

Auf der anderen Seite aber ist es gerade das Kennzeichnende für die Haltung der Augsburgischen Confession, daß die Schrift nicht isoliert von der kathoischen Tradition gelesen wird. Ein naiver Biblizismus, der die Dogmengeschichte ignoriert, ist ihr genau so fremd wie ein gedankenloser Traditionalismus, der des Nachweises aus der Hl. Schrift entraten zu können meint. Die Schrift und die katholische Kirche sind ein organisch zusammengehöriges Ganzes. Dem liegt eine Konzeption von der Geschichte der Kirche zugrunde, die mit einem positiven Fortgang der Entwicklung und einer mehr oder weniger kontinuierlichen Bewahrung der rechten apostolischen Lehre der Hl. Schrift durch alle Kämpfe und Wirren hindurch rechnet. Die Dogmenentwicklung der Alten Kirche hat eine legitime katholische Tradition begründet, die die Treue zur Schrift gleichzeitig auch Treue zur katholischen Tradition, zur katholischen Kirche, sein läßt. So wird am Schluß der ganzen Confession feierlich festgestellt, daß bei uns weder in der Lehre, noch in den Zeremonien etwas aufgenommen sei contra scripturam aut ecclesiam catholicam, und daß es am Tage sei, nos diligentissime cavisse, ne quae nova et impia dogmata in ecclesias nostras serperent[9].

Diese Haltung bewährt sich auch auf dem ganzen Gebiet der Kirchenordnung. In ihrem II. Teil (Art. XXII – XXVIII) setzt sich die Confession mit einer Anzahl Mißbräuche auseinander, die ohne gewisse Autorität in die Kirche eingedrungen sind[10], die Neuerungen darstellen und sich gegen die Bestimmungen der alten canones und gegen die alte consuetudo ecclesiae catholicae eingenistet haben[11]. In der Argumentation gegen dieselben spielt nächst der Schrift das exemplum ecclesiae und die ursprüngliche consuetudo ecclesiae catholicae eine gewichtige Rolle[12]. Die Ccnfession zeugt im ganzen von einer grundkonservativen Haltung. Gewordenes soll nur dort geändert werden, wo es vor der Schrift nicht bestehen kann, wo es contra evangelium ist, wo es also um des Gewissens willen aufgegeben werden muß[13]. Aber im übrigen gilt von dem ganzen Gebiet der Kirchenordnung, der kirchlichen Riten, daß diejenigen Traditionen, die ohne Sünde eingehalten werden können und zum Frieden und guter Ordnung in der Kirche dienen, zu wahren sind[14] Nichts liegt der Confession ferner als leichtfertige Neuerungen, auch nur auf dem Gebiet der Kirchenordnung, oder umstürzlerische Aktionen. Als falsche Anschuldigung wird zurückgewiesen, daß „alle Zeremonien, alle alten Institute in unseren Kirchen zerstört würden“[15]. Im Gegenteil, „es werden bei uns die alten Riten zum großen Teil sorgfältig bewahrt“[16] und „in den öffentlichen Zeremonien der Messe (sind) keine merkliche Änderungen geschehen“[17] Die Confession möchte auf dem gesamten Gebiet der Kirchenordnung, soweit es vor dem Evangelium möglich ist, das traditionelle Gefüge gewahrt sehen[18]. Es ist ein spezifisch katholisches Selbstverständnis, das der Kirche Augsburgischer Confession innewohnt. Anknüpfung an das Gewordene, Bleiben in der Kontinuität, Bewahrung des von alters der Kirche anvertrauten Gutes, des geschichtlichen Erbes, und Wertung dieses Erbes als Frucht von göttlich geleiteter Entwicklung. Und in dem allen doch ständige Prüfung und Sichtung vom Evangelium her, von der HI. Schrift her. Die Kirche Augsburgischer Confession trägt in dieser doppelten Bestimmtheit von der Schrift und von der katholischen Tradition das Bewußtsein in sich, die legitime Fortsetzung der Alten und mittelalterlichen Kirche zu sein und das katholische Erbe unverletzt zu bewahren.

II.

Die Kirche Augsburgischer Confession ist in allem entscheidend bestimmt von der Frage nach dem ewigen Heil. Die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders vor GOTT ist und bleibt ihr Zentralartikel.

 Die reformatorische Erkenntnis Luthers ist auf den Boden der Frage erwachsen: Wie kriege ich einen gnädigen GOTT? Das Ringen um die Heilsgewißheit angesichts der eigenen totalen Verderbtheit und des göttlichen Gerichtsurteils darüber ist das Milieu, in dem reformatorische Glaubenserkenntnis überhaupt lebt. Von daher kommt es zu einem Verständnis der Zentrallehre der Augsburgischen Confession: der Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnaden, allein durch den Glauben an Christum. Es ist dies das teuerste Kleinod, das GOTT der Kirche Augsburgischer Confession geschenkt hat: die klare Erkenntnis von der Gnadengerechtigkeit, die uns um Christi will im Glauben an IHN zuteil wird. Sie ist thematisch im IV. Artikel der Confession ausgesprochen, durchzieht aber latent alle ihre Aussagen und ist in jedem Artikel das verborgene Leitmotiv, um dann an vielen Stellen auch in Position und Negation offen hervorzutreten. Der Duktus der ersten Artikel eilt zielstrebig auf den Artikel von der Rechtfertigung zu, in welchem er kulminiert, um dann die erreichte Position nach allen Seiten abzuschirmen und die Konditionen derselben im einzelnen aufzuweisen. Nachdem von GOTT gesprochen ist, wird unsere Sündenverlorenheit gekennzeichnet (Art. II); die Tiefe der Erbschuld schneidet jeden Weg der Selbsterlösung ab, es bleibt nur die Verfallenheit an den ewigen Zorn GOTTes. Nun aber ist Christus gekommen, wahrer GOTT und Mensch, und hat wahrhaftig gelitten und Sich Selbst zum Sühnopfer gegeben für aller Welt Sünde und in Seiner wahrhaftigen Auferstehung und Himmelfahrt im Heiligen Geiste Sein Reich der Gnade aufgerichtet (Art. III). So ist der Weg zur entscheidenden Aussage gebahnt, „daß wir Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit vor GOTT nicht erlangen mögen durch unser Verdienst, Werk und Genugtun, sondern daß wir Vergebung der Sünde bekommen und vor GOTT gerecht werden aus Gnaden, um Christi willen, durch den Glauben, so wir glauben, daß Christus für uns gelitten habe und daß uns um Seinetwillen die Sünde vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird“[19]. Non propriis viribus, meritis aut operibus, sed gratis propter Christum per fidem! In diesen drei starken Worten GRATIS (umsonst!) – PROPTER CHRISTUM (um Christi willen, Der mit Seinem Tod für die Sünde genuggetan hat!) – PER FIDEM (durch den Glauben, der dies annimmt!) liegt aller Trost gegen Hölle und Tod, Sünde und Gericht. Aus ihnen geht die Heilsgewißheit wie ein klarer Quell hervor. Dabei spielen die Gnadenmittel, von denen weiter unten ausführlich geredet wird, eine ganz entscheidende Rolle. So ist der Grund gelegt für wahren Gehorsam und gute Werke (Art. VI). Im Artikel von der Buße (XII) werden die drei Bewegungen zusammengestellt, in denen das Leben des Sünders neu wird: contritio (die Schrecken des erschütterten Gewissens über die erkannte Sünde) – fides (Glaube an das Evangelium, daß die Sünde um Christi willen vergeben ist, wodurch Trost erlangt wird) – bona opera (gute Werke als Früchte der Bekehrung)[20]. Die Lehre von der Glaubensgerechtigkeit führt nicht zu einer Minderung guter Werke, sondern im Gegenteil, sie ist gerade die alleinige Ermöglichung derselben. Erst wo der rechtfertigende Glaube ist, erwachen im Herzen neue Regungen, so daß gute Werke geschehen können[21].

Die Augsburgische Confession ist ganz davon bestimmt, daß die Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnaden durch den Glauben der „vornehmste Teil des Evangeliums“ ist, der vor allem anderen in der Kirche Christi klar und deutlich auf dem Leuchter stehen muß[22]. Darum steht die Kirche Augsburgischer Confession in scharfer Frontstellung gegen alle Werkgerechtigkeit, gegen alle judaistischen, meritorischen Tendenzen, die das alleinrettende Verdienst Christi verdunkeln und somit das ewige Heil des Sünders gefährden. Es gehört zur Grundstruktur der Kirche Augsburgischer Confession, daß ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet ist, verlorenen und verdammten Sündern zu Rechtfertigung und Vergebung der Sünde zu helfen. Wo sich das Interesse der Kirche von diesem Zentrum auf andere Gebiete verschiebt, etwa auf soziale Betätigung oder Öffentlichkeitswirkung etc., da verleugnet sie ihren Auftrag und kann nicht zu Recht Kirche Augsburgischer Confession genannt werden.

III.

Die Kirche Augsburgischer Confession versteht sich als in Wort, Sakrament und Amt verfaßte Gnadenmittelinstitution. Sie ist einem schwärmerischen Spiritualismus in allen Stücken entgegengesetzt. 

Der Artikel von der Rechtfertigung aus Gnaden, um Christi willen, durch den Glauben wird im folgenden Artikel V de ministerio ecclesiastico sofort weitergeführt zu der Aussage darüber, was GOTT gegeben und geordnet hat, ut hanc fidem consequaraur[23]. Es ist das MINISTERIUM DOCENDI EVANGELII ET PORRIGENDI SACRAMENTA. GOTT hat das hl. Predigtamt eingesetzt und in seine Verwaltung Evangelium und Sakrament gegeben[24]. Damit ist der Charakter der Heilsübermittlung und -zueignung bestimmt und die Lehre von der Rechtfertigung mit der Lehre von der Kirche, die subjektive Heilsaneignung mit der objektiven Heilsdarreichung verknüpft. Diese Verbindung ist gegenüber dem Reformiertentum das zentrale unterscheidende Charakteristikum der Kirche Augsburgischer Confession. Die Rechtfertigung ist kein rein spiritueller Vorgang, sie ist an feste, äußere, von GOTT gestiftete und geordnete Gnadenmittel, Instrumente des Hl. Geistes, gebunden, durch welche ER wirkt und Menschen zum rechtfertigenden Glauben und zum Ergreifen der dargebotenen Gnade führt. Von höchster prinzipieller Bedeutung ist der zentrale Satz in Artikel V: NAM PER VERBUM ET SACRAMENTA TAMQUAM PER INSTRUMENTA DONATUR SPIRITUS SANCTUS, QUI FIDEM EFFICIT, UBI ET QUANDO VISUM EST DEO[25]. Der Hl. Geist wirkt immer in den gestifteten Gnadenmitteln; wo es zum Glauben kommt, da durch dieselben als Instrumente des Hl. Geistes Und zur geordneten und beständigen Ausübung der Gnadenmittel hat GOTT einen Dienst und Amt eingesetzt und gestiftet, in welchem die Kirche geweidet und geleitet wird.

Damit ist eine schroffe Antithese gesetzt gegen die Schwärmer, die die Wirkung des Hl. Geistes um mittelbar erwarten und die äußeren Gnadenmittel verachten[26]. Aber auch gegen die Reformierten, die keine objektive Gegenwart des Hl. Geistes in den Gnadenmitteln kennen und denen darum diese keine äußeren Heiligtümer darstellen. Die Kirche Augsburgischer Confession hält demgegenüber fest an dem Gnadenmittelcharakter des äußeren Wortes, das das gehandelte Schriftwort ist, und sie hält ebenso fest an der Existenz wirklicher Sakramente, von GOTT eingesetzter, äußerer Handlungen, in denen ER Selbst gegenwärtig ist, handelt und Gnade übermittelt, und die darum objektiv heilig sind. Während das Reformiertentum nur das (höchstens symbolisch unterstrichene) Wort kennt und ihm auch dieses nicht als in jedem Fall von GOTT ernstgemeint gilt, bleibt die Kirche Augsburgischer Confession sakramental strukturierte Kirche. Darum mußte an dem einen Artikel vom Hl. Abendmahl die Gemeinschaft mit den Reformierten scheitern und gegen Zwinglianer und Calvinisten und alle Sakramentsleugner die Kirchengrenze aufgerichtet werden. Im IX. Artikel der Confession wird die Heilsnotwendigkeit und Heilswirksamkeit der H1. Taufe sowie die Rechtmäßigkeit und Kräftigkeit der Kindertaufe festgestellt, die Wiedertäufer werden mit dem Damnamus belegt[27] Gegen Zwingli und die Schweizer wird im X. Artikel die Realpräsenz des Leibes und Blutes des HErrn im Brot und Wein des Sakraments definiert, sowie die Gegenlehre verworfen[28]. Ohne Frage ist diese Verwerfung die entscheidendste und schwerwiegendste in der ganzen Confession. Sie geschah gegen alle kirchenpolitischen Opportunitätserwägungen, einfach um der existentiell empfundenen Wahrheit willen. Bei diesem Artikel X steht man an dem neuralgischen Punkt sozusagen, an dem letztlich klar wird, ob die Rechtfertigung im Raum der Kirche, katholisch, verstanden ist oder ins spiritualistische Feld abgleitet. Die Confession ist den katholischen Weg gegangen. Die Verwerfung im X. Artikel ist die Probe aufs Exempel dafür. Auch bewährt sich der katholische Charakter der Confession in der Beibehaltung der sakramental verstandenen Privatabsolution[29] Sie weiß um exhibitive Sündenvergebung. Sie wahrt das reale Gnadengeschehen in der Kirche, worin ihre Heiligkeit begründet ist. 

Der Kirchenbegriff der Confession hat sein Schwergewicht in der institutionellen Seite, wie der berühmte Nebensatz in Artikel VII zeigt: congregatio sanctorum, in qua evangelium pure docetur et recte administrantur sacramenta[30] Um Wort und Sakrament sammelt sich die Kirche, in diesen Instanzen liegt auch ihre wahre Einheit begründet. Wort und Sakrament wiederum beruhen mit ihrer Kraft in Stiftung und Gebot Christi, nicht in menschlichen Qualitäten (Artikel VIII). Das Amt, das sie verwaltet, ist göttliches Institut (Artikel V), es ist konkret in einem bestimmten Personenkreis vorhanden, dem ordo ecclesiasticus, dem man durch besondere Berufung der Kirche zugehört (nemo nisi rite vocatus; Artikel XIV), und dem in der Sendung von Christus her eine geistliche Vollmacht und Gewalt gegeben ist, in der es die Kirche leitet[31]. Die Confession kennt keine demokratische Kirchenverfassung, sie setzt nur die bischöfliche voraus, und das liegt wohl letztlich darin begründet, daß die Gnadenmittelverwaltung, von der in der Kirche alles bestimmt sein muß, nach göttlichem Willen dem ordo ecclesiasticus übertragen ist. Die Kirche wird geistlich geleitet durch GOTTes Wort und in Gemäßheit des göttlichen Wortes, - und natürlich von denen, denen GOTTes Wort zu lehren befohlen ist, den Bischöfen bzw. Pastoren. Ihnen kommt es zu, die Schlüsselgewalt zu handhaben, Irrlehre zu verwerfen, zu exkommunizieren und zu absolvieren, aber auch die Kirchenordnung zu regeln, „damit es ordentlich in der Kirche zugehe“[32]

So ergibt sich das Bild einer in sich klar gegliederten Kirche, die auf göttlichen Stiftungen beruht, die ihren inneren Aufbau bestimmen und die alle dem einen Zweck dienen, daß die durch Christi Opfer erworbene Gnade zu den Menschen komme und sie zur ewigen Seligkeit rette. – Wir brechen hier ab. Es konnten die besprochenen Strukturen hier mehr oder weniger nur umrißhaft erhoben und gekennzeichnet werden. Aber das Wesentliche mag deutlich geworden sein. Die Kirche Augsburgischer Confession hat ihr eigenes Profil, das bestimmt ist von den zwei Komponenten katholische Tradition und reformatorische biblische Erkenntnis. In beiden aber wirkt das eine heilige Evangelium JESU CHRISTI.     

Dieser Aufsatz wurde von Pastor Dr. Hellmut Lieberg (Braunschweig) verfaßt und  zum ersten Male im “Theologischen Beiblatt Sanct Athanasius" des Brüdern-Rundbriefes am 23.Juni 1963 veröffentlicht. Pastor Dr. Lieberg verstarb am am 5. Februar 1972.

horizontal rule

nach oben

horizontal rule

Anmerkungen:

[1] So wird die Confession in der Konkordienformel von 1577 bezeichnet (Sol Decl., Summ. Begr. 5; Bek.schriften S. 835).

[2] 1. Kor 1,12ff.

[3] 1. Besch1. 1 (S, 82); deutsch: „in der offensichtlich nichts enthalten ist, was abweicht von der Hl. Schrift oder von der kath. Kirche oder von der römischen Kirche, soweit uns aus den Schriftstellern bekannt ist.“

[4] deutsch: „wahr und ohne allen Zweifel zu glauben.“

[5] deutsch., in keinem Glaubensartikel von der kath. Kirche abweichen.,“ Vorr, z. 2. Teil, 1 (S.. 83).

[6] ebda.

[7] 1. Beschl.. 1 (S. 82).

[8] Vorrede 8 (5. 45).

[9] Beschl. 5 (5. 134); deutsch: „gegen die Schrift oder die kath. Kirche“; „wir haben aufs sorgfältigste darauf geachtet, daß nicht neue und gottlose Lehren in unsere Kirchen einsickern.“

[10] 1 Beschl. 2 (S. 82).

[11] 2. Vorr. 1 (S. 83f.).

[12] z. B. XXII, 10 (S. 86); XXIV, 40 (S. 95); XXVIII 72 (S. 132).

[13] XV, 3f. (S. 67); XXVIII 23ff. (S. 124ff.).

[14] XV, 1 (5. 66).

[15] 1. Beschl. 5 (S. 83).

[16] ebda. 4.

[17] XXIV, 2ff. (S. 91)

[18] Vgl. dazu bes. Apol. XIV (S. 296f.)

[19] IV (S. 55f.)

[20] XII, 4-6 (S. 64)

[21] In größter Klarheit wird das dargelegt im Artikel XX Vom Glauben und den guten Werken. Ohne den Hl. Geist kann niemand gute Werke tun, aber wo durch den Glauben der Hl. Geist empfangen wird, iam corda renovantur et induunt novos affectus, ut parere bona opera possint (XX, 29; S. 77).

[22] XXVI,4 (S. 101)

[23] V,1 (S. 57); deutsch: „daß wir diesen Glauben erlangen.“

[24] V,1 (S. 57)

[25] V, 2 {S. 57); deutsch: „denn durch Wort und die Sakramente wird gleichsam wie durch Instrumente der Heilige Geist gegeben, Der den Glauben wirkt, wo und wann Er will.“

[26] V, 4 (S. 58)

[27] IX (S. 61)

[28] X (S. 62f.)

[29] XI, (S. 63f.)

[30] VII. 1 (S. 60); deutsch: „die Versammlung der Heiligen, in der das Evangelium rein gelehrt und die Sakramente recht verwaltet werden.“

[31] XXVIII, 5ff., 20ff. (S. 121ff)

[32] ebda. 53 (5. 129).

horizontal rule

[nach oben]