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Ehemoral

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Die Ehe steckt in der Krise. Es ist ein Skandal, dass alle im Bundestag vertretenen Parteien unter Familienpolitik die Förderung der Berufstätigkeit der Frau verstehen und damit genau das angreifen, was sie zu unterstützen vorgeben. Zwischen 1965 und 1975 halbierte sich die Zahl der Neugeborenen in Deutschland. In dieser Zeit wurde die Ehescheidung legalisiert, der Kuppelei-Paragraph abgeschafft, die Pille eingeführt und die Abtreibung frei gegeben. Für die Sexualisierung der Kinder sorgte der sog. Aufklärungsunterricht, für die Enthemmung der Erwachsenen die Therapie in Psychogruppen. Mit der Emanzipation wurden Frauen unzufrieden und der Feminismus verbreitete Häresien. Damals entstand die Homosexuellen-Bewegung und überschwemmte die Pornowelle das Land – die Schranken der Moral und des guten Geschmacks begannen zu fallen. Die 68er Revolte bewirkte aber nicht nur eine Umwertung der Werte, sondern schaffte es Linke wie Rechte, Atheisten wie Christen zu politisieren. Entscheidend war plötzlich nicht mehr, am eigenen Charakter zu arbeiten, sondern die anderen zu ändern, Strukturen und Institutionen, Gesetze und die Gesellschaft.

Die Ehe steckt in der Krise. Sicher weil das Illegitime legal geworden ist (also der Staat das Unrecht schützt), aber vielleicht auch, weil der Christ eher seine Umwelt ändern will, statt selber ernsthaft nach Heiligkeit zu streben. Wie unerträglich ist doch jemand, der den Katechismus nicht liest, um einen Maßstab für das eigene Leben zu gewinnen – sondern um sich im Recht zu wissen und zu verurteilen. Komme ich in den Himmel, weil ich die Sünden Dritter als Straftaten geahndet wissen möchte oder mich dafür engagiere, dass ein Interdikt verhängt wird? Dient es mehr zum Heil, anderen die Kanten abzuschlagen – oder sie sich selbst von Gott abschlagen zu lassen? Wie verhalte ich mich gegenüber der Mangelhaftigkeit meines Nächsten im Angesicht meiner eigenen?

Jede Ehe ist bedroht, wenn die gegenseitige Heiligung nicht mehr als Ehezweck verstanden wird. Es soll eifrige Katholiken geben, die meinen über die Kinderzahl alles „ableisten“ zu können, was Gott von ihrer Ehe erwartet - und vergessen, dass die Schrift diesbezügliche Verdienste bestenfalls der Frau verheißt (vgl. 1 Tim 2,15). Was bedeutet die gegenseitige Heiligung in der Praxis? Früher wie heute heißt dies, den Ehepartner als Werkzeug Gottes zu begreifen, durch das wir in Form gebracht werden. Der moderne Weltmensch (ebenso wie der laue Christ), tadelt jedoch Töpfer dafür, dass es Schmerzen verursacht, wenn wir beschnitten, geschlagen, geknetet und ummodelliert werden (Jer 18,4ff.). Jesus ruft uns auf, täglich das Kreuz zu tragen (Lk 14,27). Was ist denn dieses Kreuz? Wir schwärmen vom Martyrium und malen uns aus, wie wir durch einen kurzen heroischen Akt durch die Hintertür in den Himmel schlüpfen, während die Heiligen Beifall klatschen und wir von ferne schon die Harfenmusik der Engel hören. Diese Bereitschaft zum Opfer ist doch nichts anderes, als durch einen Trick diesem Tal der Tränen entrinnen zu wollen – samt all seinen schlechten Menschen, diesem Pöbel, dem man sich ohnehin haushoch überlegen wähnt. Wen gilt es zu kreuzigen: Unsere Selbstgerechtigkeit oder die Mängel des anderen? Recht schnell erkennen wir die Macken des Ehepartners – warum aber zögern wir, diese als Offenbarung unserer eigenen Fehler zu begreifen: unserer Ungeduld, unseres Dickschädels, unserer Unfähigkeit, seine Nöte zu verstehen. Solange wir auf die Unzulänglichkeiten des anderen fixiert sind, haben wir einen Vorwand, den Balken unseres Egoismus nicht sehen zu müssen. (Mt 7,3)

Wer schlecht über den Ehegatten redet, durch den spricht Satan. Und wer Träumen nachhängt, statt sich der Standespflicht zu stellen, spricht sein „non serviam“. Über seine Ehe klagen heißt, mit dem Kreuz zu hadern, welches man sich selber aufgeladen und vor dem Altare Gottes versprochen hat, es ein Leben lang zu tragen. Bewusst schließt die Kirche die Ehe an dem Ort, wo Golgotha täglich vergegenwärtigt wird. Was können wir auf die Patene legen? Unsere Zeit, unsere Talente, unseren Geistesstolz, alle Annehmlichkeiten und Genüsse, worauf wir meinen ein Recht zu haben, die Erholung und die ungestörte Nachtruhe – kurz alles, was wir für uns alleine beanspruchen: Unser Jugendzimmer bei Muttern, ein Treffen mit Freunden, das Kaffee-Trinken beim Shoppen oder einfach, dass man sich wieder einmal etwas „gönnt“, von dem der Ehepartner nichts wissen sollte. Indem wir heiraten, gehören wir dem anderen. Unser Lebenswerk ist die Familie – um dieses zu verwirklichen bekommt der Mann einige Stunden des Tages von seiner Frau für den Broterwerb, während die Mutter mit der Aufgabe betraut ist, sich um das Kostbarste (nämlich um die Frucht der gegenseitigen Liebe) zu kümmern: die Kinder zu Christus zu führen. Soll der Familie nach dem Subsidiär-Prinzip geholfen werden (etwa durch den Staat), tut die Putzhilfe und nicht eine Erzieherin Not! Sobald das Lebensnotwendige bezahlt ist, sollte genau in diesen Bereich das Geld investiert werden.

Wenn aber dem Mann ein neuer Laptop wichtiger ist, als ein guter Wäschetrockner, dann degradiert er jene zur Magd, die eigentlich seine Königin sein sollte. Umgekehrt verkennt die Frau ihre Berufung, wenn sie außerhalb ihrer Familie Anerkennung sucht; sie geht fremd, wenn sie die Kinder in den Kindergarten abschiebt und meint arbeiten zu müssen. Ihrem Mann wirft sie damit vor, nicht in der Lage zu sein, ihre materiellen Wünsche zu befriedigen. Wieso muss eine verheiratete Frau einen neuen Beruf erlernen oder sich im Abendstudium weiterbilden? Es täte ihr gut, ihren Beruf als Mutter ernst zu nehmen und sich darin zu qualifizieren. Wo könnte eine Ärtzin, eine Krankenpflegerin, eine Kunsthistorikerin, eine Lehrerin, eine Floristin oder eine Buchhändlerin ihre Talente besser einbringen, als in ihrer Familie?

Die besten Jahre sind uns gegeben, damit wir sie unseren Kindern schenken. Wenn wir mit ihnen unterwegs sind, dann gilt es nicht die Zeit tot zu schlagen, sondern mit ihnen zu reden. Manch ein technisch visierter Vater mag der Versuchung erliegen, seine Ferien damit zu verbringen, einen Videofilm für seine Familie zu schneiden und aus den Photos seiner Kinder eine Power-Point-Präsentation zu erstellen, statt mit seinen Söhnen eine Baumhütte zu bauen. Wie erstrebenswert ist das Eigenheim, wenn man vor lauter Überstunden und Geldsorgen seine Kinder erst wieder wahrnimmt, wenn sie aus dem Haus sind? Warum die Zeit mit Arbeitskollegen verbringen, da doch zu Hause die Familie wartet? Ein Vater, der meint der Seelentröster für Kolleginnen sein zu müssen, begibt sich in gefährliches Terrain. 

Will Gott etwas besonderes von uns? Jeder, der meint, durch Heldentaten Gott wohlgefällig zu sein, ist wie eine Katze, die ihrem Besitzer Mäuse vor das Bett legt. Heroen und Heiligen sind Antipoden: Während die einen sich einen Namen machen wollen, danken die anderen Gott für jede Demütigung. Theresa von Avila sagte, dass es das sicherste Indiz der Gottverlassenheit sei, wenn einem alles in den Schoß fällt und wir keine Mühsal mehr ertragen müssen. Umgekehrt gilt: „Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.“  (PS 51,17.)

Zu einem Opfer gehört, dass es freiwillig gegeben werden muss. Wer es dem anderen abnötigt, ist ein Räuber. Nur wer sich selbst hingibt, wird zum leeren Gefäß, in das Gott seine Gnade gießen kann. Wer keine eigenen Wünsche mehr hat, kann zu Gott sagen: „Dein Wille geschehe.“ (Mt 6,10) Insofern ist die Ehe ein Weg zur echten Freiheit. Als Platon sagte, dass Liebende zu einander wie die zwei Hälften einer Kugel seien, beschrieb er ein Ideal. Dieses Bild verwirklicht sich, wenn die zwei Teile sich solange an einander abschleifen, bis jeder den Worten des Völkerapostels gerecht wird: „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn (Christus) […] Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat.“ (Eph 5,22;25) Liebe aber bedeutet Ganzhingabe: „Daran haben wir die Liebe erkannt, dass Er sein Leben für uns hingegeben hat.“ (1 Joh 3,16; vgl. Gal 2,19-20).

Es kursiert der Witz, dass die Ehe das strengste Kloster sei. Dies glaube ich nicht – und so möchte ich auch nicht verstanden werden. Vielmehr bin ich überzeugt, dass die Ehe etwas Wunderbares und Heiliges ist, ein Gleichnis der Liebe Christi zu seiner Kirche. Gott schenkt jedem den besten nur denkbaren Gatten – meist besser, als wir es verdient haben. Den andern zu schmähen, heißt ein Geschenk Gottes zu verachten. Wie beschämend ist es festzustellen, wenn das Kreuz, über welches wir stöhnten, sich als „süßes Joch“ erweist (Mt 11,30). Sollte es ein Kreuz in der Ehe geben, dann sind wir es, die als Last auf der Schulter des anderen liegen. Bis zu dem Zeitpunkt, da sich die Ehepartner dies eingestehen, sind sie es beide zusammen, die Jesus die Nägel durch Hände und Füße treiben.

M. H.

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