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Buchempfehlung:

Johannes Wisching:

Allah allein ist Gott

Über die Herausforderung der christlichen Welt durch den Islam

Peter Lang GmbH
Europäischer Verlag der Wissenschaften
Frankfurt am Main 2002
 

ISBN 3-631394-88-8
 

Der Islam ist längst zur kirchlich-gesellschaftlichen Herausforderung geworden. Dabei wächst die Neigung, theologische Fragen ganz fallenzulassen und den Islam ohne wirkliche Kenntnis als weltweite Chance für Frieden und soziale Gerechtigkeit zu begreifen. Demgegenüber soll der Islam hier als eigenständige Weltreligion erfaßt werden. Dabei wird er in seiner geschichtlich-sachlichen Rivalität zum Christentum hervortreten.

Aus dem Inhalt: Der Islam als religionsgeschichtliches Rätsel - Ursprung und Ausbreitung des Islam - Islam und Christusglaube - Vereinfacher und Überbieter des Christentums - Und der Dialog?

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Die unten ausgeführte ausführlichere Besprechung dieses  Büchleins durch Klaus Baschang finden Sie in "Evangelische Verantwortung" (Heft 5/2004) auf den Seiten 16-17. 

Das Buch des emeritierten Berliner Professors für Systematische Theologie ist von brisanter Aktualität. Schon der Titel bringt auf den Punkt, worum es geht: Der religiöse Monopolanspruch des Islam ist die zentrale Herausforderung für Theologie und Politik. Mit dem 11.09.2001 ist der Traum von der in sich versöhnten multikulturellen Gesellschaft der nüchternen Einsicht gewichen, dass die zerstörerischen Potentiale von Religionen sehr wachsam wahr zu nehmen sind und Dialogprogramme nicht länger den Streit um die Wahrheit verkleistern dürfen. Bereits am Tag nach den Terroranschlägen islamistischer Fundamentalisten hat Bischof Dr. Huber vom „Ende der interreligiösen Schummelei“ gesprochen und aufgefordert, das Verhältnis von Islam und Islamismus näher zu untersuchen. Johannes Wirschings Islam-Buch geht aber auf das Jahr 1994 zurück!! Damals hat er einen Vortrag vor einem Arbeitskreis Berliner Theologen gehalten. Nach mehrfachen Überarbeitungen und einer schon 1999 erfolgten Veröffentlichung stellt er sich nun der neuen Diskussionslage. Ohne Beachtung dieser Publikation wird  sich künftig niemand mehr kompetent an der Islam-Diskussion beteiligen können.

Wirsching geht es – wie er im Vorwort schreibt – darum, „sich, anders als die derzeitige religiöse ‘Dialogindustrie’, auf den wirklichen Islam einzulassen und dabei seiner geschichtlich-sachlichen Rivalität zum Gotte des Christentums ansichtig zu werden.“ Angesichts der zunehmenden Präsenz des Islam mitten im christlichen Bereich „wird man sich, jenseits aller vordergründigen Toleranzrede, mit dem wirklichen Islam bekanntmachen müssen, nicht mit jenem ‘multikulturell’ entschärften Wunschgebilde, das bei heutigen Sozialpolitikern und Kirchenführern Islam heißt: Der Islam ist durchaus eine religiös-politische Fremdgestalt und muß aus dieser seiner Fremdheit heraus gewürdigt werden.“ Das geschieht in Wirschings Buch. So erst wird das ganze Gewicht der gegenwärtigen Herausforderung sichtbar – erschreckend und nützlich zugleich. Wirsching macht es sich selbst nicht leicht. Er nennt den Islam ein „religionsgeschichtliches Rätsel“ und schreibt: „Er hätte eigentlich gar nicht entstehen dürfen. Denn was er bringt, ist nichts Neues und inhaltlich ebenso im Judentum und Christentum zu finden.“ Woher dann sein Erfolg, dem schon gleich am Anfang die christlichen Kernlande Syrien. Ägypten, Nordafrika und Kleinasien zum Opfer gefallen sind? Wirsching macht mehrere Gründe aus: Der islamische Monotheismus versteht sich als die Ur-Religion schlechthin, die Einlösung aller religiösen Erwartungen  und Versprechungen. Wo er hinkommt, da führt er die Menschen zu ihrer wahren Bestimmung, notfalls mit Gewalt, gerne auch mit Aufmerksamkeit heischenden Aktionen wie dem – von Wirsching nicht erwähnten – Kopftuchstreit. Islam als die tolerante Religion, der gegenüber die Christen – endlich – Toleranz zu zeigen haben. Zum anderen: Dem Islam eignet ein ursprünglicher Expansionswille. Wirsching beschreibt und vergleicht diesen im Gegenüber zum christlichen Missionsverständnis. Wer diese wenigen Seiten gelesen hat, wird von der Hochschätzung der mittelalterlichen Toleranz des Islam künftig kritischer und differenzierter reden. Zum dritten: Der Islam ist als „Vereinfacher des Christentums“ aufgetreten. Die Vereinfachung bestand in der Preisgabe der Christologie! Ein auf das Ethische reduziertes Christentum – und ein solches fand er häufig genug vor – kann dem Ansturm fremder Religion auf Dauer nicht standhalten, auch nicht dem Ansturm säkularer Ideologien.

Wirsching verarbeitet nicht nur Theologie-, Kirchen- und Religionsgeschichte. In seinem Literaturverzeichnis sind auch Profanhistoriker, Kulturgeschichtler und Kultursoziologen zu finden. Englische, französische und niederländische Autoren sind verarbeitet. Dieses Buch, dessen politische Brisanz eher verhüllt ist, ist ein eminent gelehrtes Buch. Dennoch ist es auch für theologische Laien gut lesbar. Nicht unwichtig: Wirsching argumentiert so anspruchsvoll, dass er das populistische Konzept vom „Weltethos“ des Hans Küng nicht einmal einer Erwähnung für würdig hält.

Welche Antwort hat Wirsching? „Aufgabe der Theologie und der Kirche ... wäre es, vom Christlichen zu Christus zurückzurufen. Es gibt keine christliche Begegnung mit dem Islam, geschweige denn einen Dialog, ... ohne daß der religiöse Selbsterhaltungszwang aufgedeckt und der Weg zur Selbstüberschreitung auf Christus hin gewiesen wird.“ Das sind die letzten Sätze. Zuvor setzt er sich kritisch mit dem katholischen Ökumene-Modell auseinander. Es verharmlost und dient darum nicht der Klärung der Gegensätze. Die Antwort von Wirsching klingt pietistisch: Christus, nicht Christentum. Pietistische Antworten sind zumeist richtig, zumeist aber nicht ausreichend. Christliche Theologie und Kirche müssen der Herausforderung durch den Islam auch in Wahrnehmung ihrer politischen Verantwortung entsprechen. Es gilt, die politische Öffentlichkeit daran zu erinnern, dass sich der demokratische Rechtsstaat einer Freiheitsgeschichte verdankt, zu der die reformatorische Unterscheidung von Religion und Politik die entscheidenden Anstöße gegeben hat. Genau diese Unterscheidung kennt der Islam nicht. Seine Europäisierung wird nur gelingen, wenn er diese Unterscheidung in sich aufnehmen kann. Der christliche Glaube hat schlimme Verfolgungszeiten überlebt. Er wird auch Zeiten der Vergleichgültigung und der Marginalisierung überleben. Ganz anders ist die Frage, ob unsere Staats- und Rechtskultur überleben kann, wenn sie sich ihrer eigenen Grundlagen begibt, wie das z. B. im Kruzifixurteil und im Kopftuchurteil des BVG geschehen ist. Den kalten Wind des Laizismus, der jetzt von Frankreich her durch Deutschlands Tele-Diskussionen weht, muss der Staat mehr fürchten als die christliche Kirche. Wirschings Buch ist weit ab von den Tagesaktualitäten, aber für diese eine unverzichtbare Argumentationsbasis.

Klaus Baschang ist badischer Oberkirchenrat i. R.

 

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Bestellungen richten Sie bitte an den Buchhandel.

oder über Internet: Peter Lang Publishing Group

 

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