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Aldi und Un-Ordnung

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Aldi beinhaltet ein philosophische Prinzip. Allerdings, das muß man zugeben, die Umkehrung eines Prinzips, das Thomas (von Aquin) auf die kurze Form gebracht hat: „Sapientis est ordinare. Es ist Wesenszug des Weisen zu ordnen“.

Bei Aldi ist immer alles in Unordnung. Da liegen Ananas neben Unterwäsche und Inline-Skater neben Süßigkeiten, Salatköpfe zwischen einer Satelliten-Fernseh-Empfänger-Station. Einfach alles durcheinander. ...

Es geht nicht um eine räumliche Unordnung. Das heißt, bei Aldi wäre auch Unordnung, wenn noch niemand in den ganzen Kisten und Stapeln gewühlt und gewurstelt hätte, wenn noch alles blitzblank und sauber nebeneinander stünde. Es handelt sich nämlich um eine wesensmäßige Unordnung: da steht neben dem Fruchtzwerge-Stapel ein Stapel mit der Heiligen Schrift, wie dies letztes Jahr der Fall war. ... Vom Inhalt her ist dieses Buch so geartet, daß es alle Wahrheiten enthält, die die Menschen bräuchten für ein glückliches Leben. Aber die Menschen können es nicht mehr einordnen. Sie geben dem Buch die gleiche Gewichtung wie den Fruchtzwergen (vielleicht mehr, wenn sie gebildet sind, vielleicht weniger, wenn sie gerne Fruchtzwerge essen).

Es ist wie mit der Samariterin am Brunnen (Joh 4): „Si scires donum Dei“ - „Wenn du die Gabe Gottes erkenntest.“ Die Samariterin wenigstens begreift nach dem Gespräch mit dem Wort Gottes, daß das Wasser, das sie schöpfen wollte, billig ist im Vergleich zu dem, was der ihr noch fremde Prophet zu geben hat. Aber wer erklärt es den tausenden von Menschen, die bei Aldi an der Heiligen Schrift vorbeilaufen?

Das ist wohl das Hauptproblem der modernen Zeit: die Menschen können nicht mehr ordnen: Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Wahres vom Falschem trennen. Alles an seinen Platz stellen und zwar nicht nach dem Kapitalertrag oder dem Lustgewinn, sondern aus Gottes Sicht. So gesehen leben die meisten Menschen heute geistig in einem Aldi.

Quelle: Pater A. Steiner im Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St. Pius X. (April 2005)